Sport : Klein, aber oje

Stefan Hermanns

über den ewigen Kampf des Berti Vogts Anfang der Siebzigerjahre, als Berti Vogts noch ein großer kleiner Fußballer war, ist über den Verteidiger eine Biographie erschienen, an deren Entstehung Vogts selbst beteiligt war. Vermutlich hat er auch bei der Wahl des Titels seinen Einfluss geltend gemacht. „Klein, aber oho“, heißt das Buch, und wahrscheinlich hat sich Vogts nie besser beschrieben gefühlt. Seine ganze Karriere als Fußballer war ein Kampf gegen die Zweifel seiner Umwelt: den Zweifel, dass er zu klein und schmächtig sei für den Berufsfußball, dass er auch die nötigen technischen Fertigkeiten nicht besitze. Doch Vogts hat es allen gezeigt: 419 Bundesligaspiele hat er für Borussia Mönchengladbach bestritten, 96 Länderspiele, er war Weltmeister und am Ende sogar Kapitän der Nationalmannschaft.

Berti Vogts hat bestimmt gedacht, dass es als Trainer für ihn genauso weitergehen würde. Dass er von den anderen unterschätzt wird, hat er längst zum Teil seines Selbstverständnisses gemacht. Wenn er über Wasser gehen könnte, so lautet eines seiner seltenen Bonmots, würden die Leute wahrscheinlich sagen: Nicht mal schwimmen kann der.

Aber Vogts läuft zurzeit nicht übers Wasser; er kämpft wieder einmal heftig gegen das Ertrinken. Dass er seinen Job als Trainer der schottischen Nationalmannschaft noch behalten darf, führen wohlmeinende Beobachter allein darauf zurück, dass die Frage seiner Abfindung noch nicht gelöst ist. Zwei Punkte hat Vogts mit den Schotten aus drei WM- Qualifikationsspielen geholt. Sich da zu Unrecht unterschätzt zu fühlen, das ist schon eine bemerkenswerte Leistung.

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