Sport : Klein, laut, schnell

US-Spinterin Lauryn Williams will Gold über 100 m

Frank Bachner[Athen]

Schreie dröhnten durch den Raum, Hantelscheiben plumpsten auf den Boden, Schimpfwörter vermischten sich mit allerlei anderen Lauten. Lauryn Williams gefiel diese Atmosphäre. Dieses Krafttraining mit den Spielern des Miami Football-Teams, „das hat mir einen zusätzlichen Kick gegeben. Es ist diese Intensität, diese total besondere Stimmung, hey, so etwas hast du nicht, wenn du mit acht, neun Mädels im Kraftraum stehst.“ Vor den Olympischen Spielen in Athen wuchtete Lauryn Williams die Gewichte mit den Footballern in die Höhe, und sie schwärmt heute noch davon.

Es muss schon hart zugehen im sportlichen Leben der Lauryn Williams. Heute Abend ist das Finale über 100 m der Frauen. Sie ist 20 Jahre alt, gerade 1,57 m groß, aber sie hat diesen unbedingten Willen. Lauryn Wiliams ist einer dieser jungen Sprinterinnen, die nachdrängen in die Lücken, die im internationalen Frauensprint entstanden sind. Marion Jones (USA), Ekaterini Thanou (Griechenland), Torrie Edwards (USA), Kelli White (USA), Tayna Lawrence (Jamaica), sie alle fehlen in Athen aus verschiedenen Gründen beziehungsweise laufen zumindest nicht 100 m. Nicht qualifiziert, gesperrt, vom eigenen Verband abgemeldet. Und Lauryn Wiliams, mit 10,97 Sekunden die Nummer drei in der Weltjahresbestenliste, sagt: „Es ist Zeit für eine neue Ära. Ein Wechsel muss kommen, und ich bin bereit zu diesem Wechsel.“ Auch Ivet Lalowa ist bereit. Die 20-jährige Bulgarin ist in diesem Jahr schon 10,77 Sekunden gelaufen, eine verdächtig schnelle Zeit. Lalowa war im vergangenen Jahr noch Junioren-Europameisterin über 100 und 200 m. Sie kam mit ihren 10,77 Sekunden quasi aus dem Nichts. Auch Sherone Simpson steht bereit für diesen Wechsel. Sie ist 20, sie ist in diesem Jahr 11,01 Sekunden gelaufen und liegt damit auf Platz sechs der Jahres-Weltbestenliste.

Aber keine der hungrigen, jungen Sprinterinnen tritt so selbstbewusst auf wie Lauryn Williams. Sie lief bei den US-Trials neben Marion Jones, der Olympiasiegerin über 100 m. Aber Williams erzählt stolz, dass „ich noch nie ein Wort mit Marion Jones gesprochen habe“. Dass Marion Jones von 1997 bis 2002 nur ein Rennen über 100 m verloren hat, bei der WM 2001, das hakt Lauryn Williams als Fall für die Statistik ab. Die große Marion Jones hat Schwächen gezeigt, sie qualifizierte sich nur im Weitsprung für einen Einzelstart. Williams hat auch wenig Respekt vor anderen Größen. Vor Sprinterinnen, die in Athen die 100 m laufen und auch Medaillenchancen haben. La Tasha Colander, 25, etwa, ihre Teamkollegin, Bestzeit 2004: 10,97 Sekunden. Oder Christine Arron, die Französin, Bestzeit 2004: 10,95 Sekunden.

Statt über Marion Jones spricht sie lieber über ihre kurzen Beine, „kein Problem, ich habe dadurch eine sehr hohe Schrittfrequenz. Das macht mich zu einer Weltklassesprinterin.“ Gold hat für sie einfach diese symbolische Bedeutung, obwohl sie ja doch mal kurz ins Grübeln gekommen ist. „Ich habe gehört, dass die Medaille nur vergoldet ist. Die Silbermedaille besteht dagegen komplett aus Silber. Die ist also finanziell mehr wert. Aber ich will doch lieber Gold.“

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