Sport : Klein und schmächtig

Warum Meister Eisbären in eine Krise geraten ist

Claus Vetter

Berlin - Die Eisbären machen sich klein. Jedenfalls in ihrer neuen Werbekampagne. Auf den Plakaten beschießt ein Mini-Eishockey-Spieler mit einem winzigen Puck ein riesiges Monster – unter der Überschrift: „Fahr zur Hölle“. Ein Meister macht sich mickrig. Absichtlich auf den Plakaten und vorbei an den gängigen Gesetzen der Werbebranche, wo sich groß und mächtig im Regelfall besser verkauft als klein und schmächtig – und unabsichtlich in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL): Schon ein Viertel der Spiele in der Hauptrunde haben die Berliner hinter sich. Die sportliche Bilanz ist mit nur sechs Siegen aus 13 Spielen durchwachsen.

Es gibt viele Gründe dafür, natürlich vor allem die Zusammensetzung der Mannschaft. Die Eisbären haben mehr junge Spieler im Aufgebot als jeder Konkurrent in der DEL. Das Team ist, wie Trainer Pierre Pagé bemerkt, „in einer nicht so schnell endenden Lernphase, in der jedes Spiel ein harter Kampf ist“. Ein Kampf für die Zukunft. Denn eine zweite Meisterschaft im betagten kleinen Wellblechpalast wird den Berlinern weder mehr Zuschauer noch mehr Geld bringen. Pagés Konzept ist auf die Arena am Ostbahnhof zugeschnitten: „Wenn die steht, dann brauchen wir deutsche Stars, um sie zu füllen.“

Auf der sportlichen Seite entsteht das Fundament für die Arena, auf der anderen Seite aber ist wenig Bewegung. Niemand weiß, wann die 16500 Zuschauer fassende Halle gebaut wird. Wasserstandsmeldungen von Seiten des Eisbären-Eigners, der Anschutz-Gruppe, gibt es kaum noch. Die Signale, die sich im Abschneiden der Eisbären auf dem Eis zeigen, sind klar: Anschutz hat seinem Klub das Budget eher gekürzt als erhöht. Denn dass Manager Peter John Lee Probleme hat, das Team zu verstärken, liegt wohl kaum nur daran, dass niemand zu haben ist. Der ehemalige Mannheimer Verteidiger Andy Delmore etwa wäre frei. Doch die Politik des Eigners ist eben marktwirtschaftlich: Anschutz ist es egal, wo die Eisbären in der Tabelle stehen. Das Unternehmen will Profit machen, und das geht nicht mit 4000 Zuschauern im Wellblechpalast.

Der Fehler der Eisbären war vielleicht, dass sie vor der Saison ein Ziel zu viel hatten. Pagé will nicht nur Talente ausbilden, sondern mit der jungen Mannschaft auch Meister werden. Natürlich, das junge Personal spielt zum Teil gut mit: Richard Mueller (23 Jahre) hat schon sechs Tore erzielt, Frank Hördler (20) hat die beste Plus-Minus-Statistik der Eisbären, Christoph Gawlik (18) macht erstaunliche Fortschritte und Florian Busch (20) verschludert zwar mehr Torchancen als jeder andere in der DEL, aber immerhin, er hat die Chancen. Das alles ist schon sehr schön, aber reicht nicht, um den Titel zu holen: 50 Gegentore in 13 Spielen sind ein deutliches Indiz dafür.

„Wir sind eben eine deutsche Mannschaft“, sagt Manager Lee. „Eine junge deutsche Mannschaft, die in ein paar Jahren eine erfahrene deutsche Mannschaft sein wird.“ Es ist wahrscheinlich eine gute Zeit für den Klub, um sich mit der Ausbildung junger Spieler auf den Umzug vorzubereiten. Meister sind die Berliner geworden, beweisen müssen sie sich wohl nicht mehr. Auch nicht gegen irgendwelche Monster, wie in ihrer Werbekampagne.

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