Sport : Kleine enge Bundesliga

Michael Rosentritt

Der FC Bayern München ist in der Champions League klar an seine Grenzen gestoßen. An einem guten Tag, wenn alles passt und etwas Glück hinzukommt, kann dieser Verein eine große europäische Mannschaft schlagen. Bis zuletzt durchsetzen aber kann er sich nicht. Alte Tugenden wie Zweikampfstärke und körperliche Härte sind schön und gut, aber mittlerweile Grundvoraussetzungen für erfolgreichen Tempofußball. Dem FC Bayern fehlt es derzeit nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Chefetage an Ideen, Gestaltungskraft und Mut – kurz, an Klasse.

Die Wettbewerbsnachteile der Bundesliga gegenüber den finanzstärkeren Ligen in England, Italien und Spanien sind seit Jahren bekannt. Die Bayern zum Beispiel verfügen über junge, entwicklungsfähige Spieler wie Lahm, Schweinsteiger, Ottl oder Podolski. Wenn sie aber groß sind, werden sie den FC Bayern wohl verlassen, der ihnen dann vermutlich zu eng ist. Michael Ballack, ein internationaler Star, ging im vorigen Sommer, Torsten Frings und Miroslav Klose verlassen Bremen vielleicht im kommenden. Spieler dieser Qualität können sich selber nur noch bei Vereinen der europäischen Elite entwickeln. Und die gibt es in Deutschland lange nicht mehr. Schon Netzer, Schuster oder Breitner war die Bundesliga zu klein geworden.

Unter diesen Umständen wird es für die Bayern schwer, Spieler wie Kaka, Messi oder Deco zu verpflichten. Die Bundesliga kann derzeit nur auf die eigenen Leute setzen – und Spieler der gehobenen Klasse, nicht aber der internationalen Spitzenklasse anzulocken versuchen. 2003 konkurrierte Bayer Leverkusen mit dem AC Mailand um die Dienste Kakas. Bayer Leverkusen! Kaka ging nach Mailand, für den Spottpreis von acht Millionen Euro. Warum wohl?

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