Sport : Kleine Ligakunde

Das Basiswissen zum Rückrundenstart, von A bis Z: Was heißt eigentlich „Werder“? Gibt es weibliche Maskottchen? Und wer nennt Dortmund lieber Lüdenscheid-Nord?

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Arminia: Beginnen wir mit dem spektakulärsten aller Vereine, der Arminia aus Bielefeld. Warum heißt der Club eigentlich so? Sogar das Internet-Lexikon Wikipedia (das auf jede Nichtigkeit eine Antwort hat) fragt hilflos: „Woher kommt das Wort ARMINIA? Man findet es weder im Lexikon noch im etymologischen Wörterbuch.“ Was Arminia Bielefeld angeht: Es soll etwas mit dem Hermanns-Denkmal zu tun haben, das in der Nähe steht. Zu sehen ist der steinerne Krieger „Arminius“ – was vom Römischen ins Deutsche übersetzt so viel heißt wie: „Herrmann“.

Bobfahrer: Hertha BSC hat eine kleine Volleyball-Abteilung. Sie besteht aus zwei Frauen, die auf ihrem Sporthöschen ein Hertha-Logo tragen. Nie aber würde der Verein sein Logo um einen Volleyball ergänzen. In Unterhaching – dem Sinnbild trauriger Zweitklassigkeit – sah man das 1975 anders: Seitdem ist auf dem Wappen neben einem kleinen Fußball (1000 Mitglieder) ein großer Bob (50 Mitglieder) zu sehen.

Clubberer: Absurde Wortschöpfung, abgeleitet von „Club“. So wird der 1. FC Nürnberg (gegründet: 1900) genannt, weil er jahrzehntelang der „Club“ in Deutschland und bis 1987 Rekordmeister war. Hertha-Fans haben mal besserwisserisch auf einem Plakat geprahlt: „Der einzig wahre Club – Hertha Berliner Sport Club“. Kein „Club“ in der Ersten Liga ist schließlich älter als die Hertha: 1892. Hinweis I: Ja, Hertha hieß früher nicht BSC, sondern BFC (Berliner Fußball Club). Und Hinweis II: Ja, der HSV wurde schon 1887 gegründet – aber der ist kein „Club“, sondern „Verein“. Ätsch.

Dino: Das HSV-Maskottchen, ein Dino namens „Herrmann“, ist eine Reminiszenz an HSV-Masseur Herrmann Rieger. Der Club ist zudem Gründungsmitglied der Bundesliga – angesichts der Abstiegsgefahr in Hamburg stellt sich nun die Frage: Muss „Dino“ am 34. Spieltag sterben, so wie seine Vorfahren vor 235 Millionen Jahren? Wir sehen die Kinder schon traumatisiert in der AOL-Arena.

Eintracht: Urdeutscher Name,bedeutet so viel wie: fester, brüderlicher Zusammenhalt und Harmonie. Früher wurde Frankfurt vom Boulevard bemüht-witzig, aber nicht unpassend Zwietracht genannt.

Fohlen: In den Sechzigern formte Trainer Hennes Weisweiler aus jungen Spielern eine Mannschaft, die in ihren weißen Trikots schnell, unbekümmert und forsch nach vorn spielte. Sie wurden „Fohlen“ genannt – und zwar erstmals von Wilhelm August Hurtmanns, Sportredakteur bei der „Rheinischen Post“.

Geißböcke: Man glaubt es kaum, aber der 1. FC Köln hat sein Maskottchen erst seit 1951 (übrigens neben dem Frankfurter Adler „Attila“ das einzig lebende in der Liga). Der Ziegenbock war ein Geschenk einer Zirkusdirektorin bei einer Karnevalssitzung. Erste Amtshandlung: Der aufgeregte Geißbock soll der Legende nach Spielertrainer Hennes Weisweiler auf die Klamotten gepullert haben – deshalb heißt der Bock „Hennes (I - VII)“.

Hertha: Ja, gähn, alte Kamelle: Irgendwo in Prenzlauer-Berg/Wedding sahen 1892 ein paar Männer einen Dampfer namens „Hertha“ schippern, der einen blau-weißen Schornstein hatte, und nannten ihren Verein nach ihm. Nur: Was ist mit Hertha 1922 München? Mit Hertha Rheidt 1916? Oder Hertha 03 Zehlendorf? So viele Dampfer kann es gar nicht geben. Merke: Hertha bedeutet „die Starke, Kühne“.

Insellage: Denken Geografie-Studenten an den Spitzenreiter aus Bremen, erzählen sie müde: „Werder“, ja, so nennt man eine kleine, flache Insel wie die in Bremen – auf der der Club übrigens auch seine ersten Sportplätze hatte.

Jugendherberge: Schalker nennen sie in der Sportschau liebevoll „Knappen“. Im nicht gerade bergbauaffinen Berlin sei erklärt: Ein Knappe ist einer, der unter Tage die Lehre als Bergmann geschafft hat.

Kartoffelkäfer: Schön-schnoddrige Beleidigung, ganz nach West-Berliner Art. Gemeint sind Aachener bzw. Dortmunder wegen ihrer schwarz-gelben Farben.

Löwen: Damit sind Spieler und Fans von 1860 München gemeint (wobei: die Fußballabteilung gibt es erst seit 1899). Der Löwe ist allerdings erst seit 1911 im Wappen zu sehen mit – aufgepasst – zwei Schwänzen. Damit man ihn nicht mit dem von „Löwenbräu“ verwechselt.

Malstunde: Die „Königsblauen“ von Schalke hatten bis 1924 rot-gelbe Vereinsfarben. Ihrer Beliebtheit hat der Farbenwechsel nicht geschadet.

Naziclub: Gern wird auf Schalke mit dem Finger gezeigt, denn sechs ihrer sieben Meistertitel haben die Schalker in den Jahren des NS-Regimes geholt (Bayern München ist wegen seines jüdischen Präsidenten und jüdischen Trainers so etwas wie das extreme Gegenbeispiel). Heute sind die Schalker Vorreiter in Sachen Anti-Rassismus-Kampagnen – wie etwa der europaweit beachteten Initiative: „Dem Ball is’ egal, wer ihn tritt.“ Dafür haben sie vor zwei Wochen den Julius-Hirsch-Preis 2006 erhalten.

Olympiastadion: Eines von sieben Stadien in der Liga, die noch nicht an Sponsoren verkauft wurden. Spitzenreiter in der Kategorie lustiger Stadionnamen war bisher der „Signal-Iduna-Park“, formerly known as Westfalenstadion, dicht gefolgt vom „easyCreditstadion“ (Frankenstadion), ganz klar übertroffen in dieser Saison jedoch vom Bochumer „rewirPowerStadion“. Wir sagen: Glückwunsch!

PR-Ideen: Herthaner haben einen Plüschbären, Wolfsburger einen Plüschwolf und Bremer die gewerkschaftsnahe Plüschmöwe „Werdi“. Warum Stuttgart allerdings ein Krokodil zum Maskottchen auserkoren hat, können wohl nur PR-Leute begründen. Wir nicht.

Quergestreift: Längsgestreift sind viele, „Zebras“ sind traditionell nur die Duisburger vom „Meidericher Sportverein“ (MSV). Ihr Maskottchen heißt „Enatz“ – so lautet der Spitzname des Europameisters von 1980, Bernhard Dietz.

Raute: Der Hamburger SV hat bekanntlich eine Raute im Emblem. Weil, so das HSV-Museum, es mal eine große Reederei gab, die auf ihren Schiffen eine solche Raute nutzte und damit bis nach Deutsch-Ostafrika schipperte.

Saupreiß ! Fans des FC Bayern München lieben ihr blau-weißes … patsch! … weiß-blaues Vereinswappen. Da sind die Bayern sehr eigen. Also: Weiß-blau, nie blau-weiß. Sonst drohen Backpfeifen.

Teufel: Willkommen in der Hölle! Sagte man früher auf dem Betzenberg. Die Spieler waren die Teufel. Heute herrscht an jeder Grundschule im Kreuzberger Wrangelkiez mehr Aggressivität.

Unaussprechliche: So nennen Fans den Erzfeind. Alternativen sind: „Die aus Lüdenscheid-Nord“, sagen Schalker über Dortmunder. Kölner nennen Leverkusen den „Parkplatz von Köln“.

Vogelexperten: Die Freiburger sind wegen ihres einst hübschen, schnellen Kurzpassspiels die „Breisgau-Brasilianer“. Aber was um Himmels willen ist das für ein Vogel im SCF-Wappen? Ein Adler? Eine Krähe? Nun, der „Greifenkopf“ ist das Münzzeichen der Stadt Freiburg.

Wilmersdorf: Dort wohnte Marcelinho, Wolfsburgs neuer Spielmacher, nur ein paar Schritte von seinem Friseur Thomas Krüger entfernt. Der ruiniert ihm im KaDeWe im gefühlten Dreitagestakt die Kopfhaut: Mal erschien der Brasilianer mit silbernen Haaren, mit roten, blauen oder grell-blonden. Die schärfste Frisur allerdings war eine rot-gelb-schwarz gestreifte (sollte eigentlich eine Hommage an Deutschland sein, nur leider sind die Farben völlig durcheinandergeraten).

X-Chromosom: Vereine sind weiblich: Hertha, Fortuna, Eintracht, Alemannia, Arminia …

Y-Chromosom: … dafür sind Maskottchen männlich. Sogar Paule, das Maskottchen der Nationalmannschaft, und somit auch das des Damenteams.

Zirbelnuss: Dieses unförmige Ding im Wappen des FC Augsburg ist – eine Birne? ein Knetklumpen? Eine typische 500 000-Euro-Frage bei Jauch allemal – Auflösung: Eine Zirbelnuss ist ein aufrecht stehender Pinienzapfen. Das Symbol Augsburgs.

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