Sport : Kleine Pause von der großen Politik Was Turner Gienger bei den German Open macht

Martin E. Hiller

Um zwölf Uhr ein Abstecher zu den German Open, am Nachmittag die Siegerehrung bei „Jugend trainiert für Olympia" und abends ein Vortrag über Tenside vor dem Umweltausschuss des Deutschen Bundestages – Eberhard Gienger ist ein ebenso vielseitiger wie viel beschäftigter Mensch. Der frühere Turnweltmeister sitzt heute für die CDU im Parlament und kümmert sich um die Bereiche Umwelt und Sport. Braun gebrannt und entspannt sitzt er im Vip- Bereich des LTTC Rot-Weiß und spricht über seine neuen Aufgaben.

Gienger, der die Hundekehle als Repräsentant des Turniersponsors Mastercard besuchte, machte deutlich, dass sein Lieblingskind nach wie vor der Sport ist. Der umstrittene Freizeitkick auf dem Platz der Republik etwa findet seine Zustimmung, denn „es ist nie verkehrt, junge Menschen zur Bewegung anzuhalten". Einen ähnlichen Effekt erhofft sich Gienger von der Olympiabewerbung Leipzigs. „Ich bin überzeugt davon, dass die eine gute Chance haben mit der Strategie, vom Gigantismus wegzukommen", sagt der ehemalige Profisportler, der angesichts motorischer Probleme vieler Jugendlicher eine Belebung des sportlichen Bewusstseins für geboten hält. Gienger geht mit gutem Beispiel voran. Er turnt, springt Fallschirm, und wenn sein Schienbeinbruch ausgeheilt ist, will er wieder für den FC Bundestag Fußball spielen.

Sport kann aber niemandem vorgeschrieben werden, meint Gienger. „Die Politik kann nur die Voraussetzungen schaffen, zum Beispiel Räumlichkeiten bereitstellen." Dies gelte auch für die Damen-Tennismeisterschaften, für deren Fortbestand Turnierdirektor Eberhard Wensky die Unterstützung des Senats anmahnt. „Mehr als sich für das Turnier auszusprechen und die Zuschüsse konstant zu halten, kann die Stadt nicht machen", sagt Gienger.

In der Regierung müssen eben immer wieder Kompromisse geschlossen und viele Interessen berücksichtigt werden – das ist politischer Alltag. Ein Alltag, der Gienger nur bedingt gefällt. Im Bundestag geht es aus seiner Sicht weniger menschlich zu als im Sport. Der Sportler Eberhard Ginger mag es nicht, wenn der Kontrahent herabgewürdigt oder beleidigt wird, nur weil es eben zum Geschäft gehört. Gienger sagt: „Ständig auf Andere draufzuhauen, das ist nicht meine Sache.“

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