Sport : Kleine Sensationen

Wasserballerinnen siegen, Schwimmer streiten

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Montreal Am Ende war die Freude riesengroß: Deutschlands Wasserballerinnen haben bei der Schwimmweltmeisterschaft in Montreal fast sensationell das Team der Niederlande besiegt. Nach dem 7:6 (1:1, 3:1, 1:2, 2:2) hat die Mannschaft nun gute Chancen, die nächste Runde zu erreichen. Monika Kruszona vom SV Blau-Weiß Bochum traf dreimal. Die weiteren Treffer erzielten Kruszonas Vereinskollegin Ariane Rump (2) und die Uerdingerinnen Nina Wengst und Claudia Blomenkamp.

Die deutschen Wasserspringer dagegen konnten ihre Erfolgsserie nicht fortsetzen. Beim Einzel-Springen vom Drei-Meter-Brett belegte Europameister Andreas Wels aus Halle/Saale Platz acht, der Berliner Tobias Schellenberg wurde Zwölfter. Im Synchronspringen hatten die beiden Silber gewonnen. Gold sicherte sich der 19 Jahre alte Olympia-Zweite Alexandre Despatie aus Kanada.

Die deutschen Schwimmer trainieren derzeit noch. Sie kommen erst in der zweiten Woche zum Einsatz. Die Athleten haben nur den Wettkampf im Kopf, ihre Trainer und die Funktionäre des Verbandes müssen sich dagegen mit einem ganz besonderen Thema auseinander setzen: den Reformen, die Chef-Bundestrainer Ralf Beckmann mit anderen Trainern ausgearbeitet hat und mit denen die deutschen Schwimmer stärker werden sollten. Diese Reformen stehen vor dem Ende, noch bevor sie überhaupt eingeführt worden sind. Und das, obwohl die Fachsparte das Konzept bereits abgesegnet hat. Doch da war noch nicht klar, wie groß der Druck von außen würde. Vom Fernsehen zum Beispiel. Beckmanns Plan: Die deutschen Meisterschaften sollen von 2006 an nicht mehr als Qualifikation für den Saisonhöhepunkt gelten, also Europameisterschaft, Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele. Stattdessen sollte es im Frühjahr so genannte Trials geben, bei denen um die begehrten Tickets gekämpft werden sollte. Die Meisterschaften würden dann nur noch eine Art Generalprobe sein. Außerdem wollte Beckmann durch Sommermeetings verhindern, dass Schwimmer, die sich nicht für den Höhepunkt qualifizieren, eine neunwöchige Pause haben, bevor sie wieder mit dem Training für die neue Saison beginnen. Die US-Amerikaner und die Australier arbeiten seit langem so. Für den deutschen Schwimmsport, sagen viele Experten, wäre das zweifellos ein Schritt nach vorne.

Doch das Fernsehen sperrte sich gegen diese Pläne. Die TV-Anstalten sehen keine Chance, solche Wettkämpfe quotengerecht zu übertragen. Einen Wegfall der Erlöse aus den Fernsehrechten kann sich der DSV nicht leisten. Generalsekretär Jürgen Fornoff sagte: „Das würde den Verband ziemlich hart treffen.“ Der Fernsehvertrag laufe bis einschließlich 2006.

Außerdem gibt es auch intern große Bedenken, vor allem aus den Landesverbänden. Fornoff: „Das scheinen die Vereine und Trainer so nicht anzunehmen. Da wollen viele nicht mitspielen.“ Jetzt solle man „darüber schlafen und ein von allen akzeptiertes Konzept vorlegen“.

Beckmann hatte die neue Konzeption auch als Konsequenz aus dem schwachen Abschneiden bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen vorgelegt. Beckmann erhoffte sich von der Änderung eine „Qualitätssteigerung für den deutschen Schwimmsport“. Mit dem drohenden Ende ist auch die gesamte Jahresplanung für 2006 in Frage gestellt.

Dass die Landesverbände gegen die Pläne quer schießen, war von Insidern befürchtet worden. Die Streitereien zwischen Landesverbänden und dem Bundesverband sind legendär. Dabei treffen nicht bloß verschiedene Auffassungen über Trainings- und Wettkampfpläne aufeinander, es geht auch um Eitelkeiten und die sorgsame Pflege von Machtpositionen. dpa

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