Sport : Kleine Spiele mit Risiko

Singapur richtet 2010 das erste Jugendolympia aus – es ist die erste Großveranstaltung im Kleinstaat

Berlin - Im Zwergstaat Singapur soll im Sommer 2010 ein neues olympisches Zeitalter beginnen: Spätestens als IOC-Präsident Jacques Rogge am Donnerstag um 12.13 Uhr Ortszeit in Lausanne den asiatischen Stadtstaat als Ausrichter der ersten Olympischen Jugendspiele feierlich bekannt gab, hat sein Lieblingsprojekt Formen angenommen. Singapur setzte sich im Wahlfinale mit 53:44 Stimmen gegen Mitbewerber Moskau durch. „Das ist ein Schlüsselmoment für die Olympische Bewegung“, sagte Rogge über sein Vermächtnis, das dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gleichzeitig einen neuen Absatzmarkt auf dem Zukunftskontinent Asien beschert.

Singapur hat knapp zweieinhalb Jahre Vorbereitungszeit, um die Voraussetzungen für das zwölftägige Pilotprojekt zu schaffen. 197 Wettbewerbe in 26 Sportarten sind geplant. Olympia-Teilnehmer von Peking dürfen nicht starten. Die internationalen Fachverbände dürfen maximal 3500 Athleten zwischen 14 und 18 Jahren benennen. Aus Deutschland werden 70 Teilnehmer erwartet. Die Gesamtkosten in Höhe von 30 Millionen Dollar werden vom IOC getragen. 2012 stehen die ersten Jugendspiele im Winter an.

„Das ist eine Investition in die Zukunft“, sagte Klaus Schormann, Präsident des Internationalen Verbandes für Modernen Fünfkampf, von Rogge mit der Vorarbeit des olympischen Zusatzangebots betraut. Bei der IOC-Vollversammlung im August können die Grundlagen von Rogges Lieblingsinitiative in der Olympischen Charta verankert werden. Dabei dürfte vor allem um einen Punkt gestritten werden. Der Ober-Olympier will auf Hymnen und Flaggen bei Siegerehrungen verzichten, viele IOC-Mitglieder sehen gerade das als wichtigen Anreiz. Mit der Ausrichtung der Jugendspiele feiert Singapur Premiere als Veranstalter eines großen internationalen Sportfestes. Der Stadtstaat hat bislang auch bei Olympischen Spielen keine Glanzlichter gesetzt und nur eine Silbermedaille 1960 durch Gewichtheber Howe-Liang Tan geholt. Der Etat für das Jugend-Festival liegt bei 75 Millionen Dollar. 19 von 24 Wettkampfstätten sind bereits vorhanden.

Neben dem sportlichen Kräftemessen stehen bei den Jugend-Festspielen pädagogische und kulturelle Veranstaltungen im Vordergrund. Die Teilnahme an Anti-Doping- und Anti-Drogen-Seminaren ist für den elitären Nachwuchs Pflicht, und selbst die vorgesehenen Sportarten wirken wie erzieherische Maßnahmen. Im Radsport sollen zum Beispiel lediglich BMX und Mountain Bike und keine Straßenrennen ausgetragen werden. Wettbewerbe in bei Profis dopingverseuchten Disziplinen müssen außen vor bleiben. Auch bei den Jugendspielen gelten die strikten Richtlinien und das Strafmaß der Welt-Anti-Doping-Agentur.

So bleiben die Mini-Spiele mit maximalem Risiko behaftet. Zwar will Rogge olympische Werte wie „Freundschaft, Fairplay, Ablehnung von Gewalt und jede Form von Doping“ vermitteln, aber drohender Gigantismus scheint noch das geringste Problem zu sein. Kinderdrill, noch früherer Leistungsdruck und möglicher Dopingmissbrauch haben das deutsche IOC-Mitglied Walther Tröger schon bei der einstimmigen Verabschiedung der Jugendspiele durch die 119. IOC-Vollversammlung in Guatemala erkennen lassen: „Die Spiele sind Rogges Risiko.“ dpa

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