Sport : Kleine Stelle, große Wirkung

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In unserer Serie widmen wir uns Körperstellen, die beim Ausüben einer Sportart von besonderer Bedeutung sind. Heute: die Bandscheibe beim Gewichtheben.

Als die Internationale GewichtheberFöderation nach Olympia 1972 die Disziplin Drücken offiziell verbot, begründete sie ihre Entscheidung mit den Gefahren für die Gesundheit der Sportler. Die letzte Heberphase, bei der die Hantel auf ein Zeichen des Kampfrichters in einem Zug von der Brust nach oben gedrückt wurde – ohne den beim Stoßen üblichen Ausfallschritt – soll vor allem für die Bandscheibe des Athleten schädlich gewesen sein. Eberhard Deutscher, seit 30 Jahren beim Berliner TSC als Trainer dabei, hat bis heute seine Zweifel an dieser Begründung: „Beim Drücken wurde auch viel geschummelt, das bekam der Verband nicht in den Griff. So haben sie einfach die Gesundheit vorgeschoben, um sich dieses Problems zu entledigen.“

Das Problem Bandscheibe, sofern damit das kurze Stück zwischen langem Rückenstrecker und Gesäßmuskel gemeint ist, ist bis heute eine Schwachstelle geblieben. „Sie erfordert ein besonderes Training, aber nicht alle Sportler sind dazu bereit“, beschreibt Deutscher das eigentliche Problem. Dabei gibt es ganz einfache Übungen dafür. Aber kleine Muskeln entwickeln sich nun mal viel langsamer als große, und so reden sich viele Sportler lieber mit dem Argument heraus: „Trainer, ich hab’ doch jetzt nichts.“ Wenn sie dann etwas spüren, ist es längst zu spät. Die meisten Verletzungen gibt es im Gewichtheben wegen muskulärer Diskrepanzen.

Helmut Müller vom Olympiastützpunkt in Heidelberg hat sich verstärkt mit dem Thema beschäftigt, auch spezielle Übungen entwickelt. Half früher schon ein einfacher Sprungkasten, auf den sich der Sportler bäuchlings bis zur Hüfte legte, um dann mit den Beinen und verschiedenen Belastungen zu pendeln, so gibt es heute ausgefeiltere Methoden. Von dieser Erfahrung berichtet auch der derzeit beste TSC-Heber, der Olympiateilnehmer von Athen René Hoch: „Mir tut schon das so genannte Kieser-Training sehr gut. Wegen der Knie bin ich hingegangen, jetzt stärke ich dort meinen Rücken.“ Das muss er auch ohne Drücken.heit

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