Sport : Kleiner Durchbruch

Zweifel an neuem Nachweis für Wachstumshormon

Frank Bachner

Berlin - 105 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Wachstumshormon hat Ken Ho vom Garvan Institute of Medical Research in Sydney veröffentlicht, das ist eine Menge. Der Mann ist zweifellos vom Fach. Wachstumhormon, kurz HGH, ist ein Renner bei Dopingsündern, und deshalb war Ken Ho sicher stolz, dass er Betrügern am Dienstag über die Presseagenturen mitteilen konnte: „Meine Botschaft an die Athleten lautet: Es wird jetzt schwerer zu betrügen.“ Experte Ho und seine Kollegen haben ein neues Testverfahren entwickelt, mit dem HGH nachweisbar ist. „Dieser Test ist viel feiner als die, die es bisher gab“, sagte Ho.

Ein neues Nachweisverfahren allerdings ist keine große Nachricht. Es gibt ja schon zwei. Der Berliner Endokrinologe Christian Strasburger hat ein Verfahren entwickelt, mit dem HGH-Missbrauch bis 36 Stunden nach der Einnahme nachgewiesen werden kann, ein anderes, die so genannte Sönksen-Methode, dehnt die Spanne sogar auf drei Wochen aus. Das Problem ist nur, dass diese Verfahren juristisch nicht anerkannt sind, weil sie keine hundertprozentigen Beweise liefern. „Eine HGH-Nachweismethode ist ein äußerst komplexes Thema“, sagt Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für Pharmazeutische Forschung in Nürnberg.

Der neue Test basiert darauf, Proteine zu finden, die durch HGH gesteuert werden. „Wir sind in der Lage, Wegweiser zu identifizieren, die den Missbrauch zeigen“, sagt Olivier Rabin, Wissenschaftsdirektor der Welt-Anti-Dopingagentur Wada, die das Projekt gefördert hat. Bis jetzt missbrauchen Sportler HGH, weil es Körperfett abbaut und angeblich anabolen Charakter hat.

Ist nun also der große Durchbruch gelungen? Pharmakologe Sörgel hat Zweifel. „Für so eine Nachweismethode benötigt man eine Testreihe mit mindestens 500 Personen, besser noch 1000.“ Ho hatte aber gerade mal 97. „Diese Zahl ist vermutlich zu gering“, sagt Sörgel.

Mit der Methode von Ho ist HGH nicht einmal direkt nachweisbar. Stattdessen müssen die Dopingfahnder eine Art Indizienprozess führen. Sie können HGH nur indirekt nachweisen. Sie registrieren bestimmte Veränderungen der biochemischen Prozesse im Körper und rechnen dann hoch, ob HGH-Missbrauch vorliegt. Je größer die Abweichung, desto stärker der Verdacht. „Aber bei HGH spielen sehr viele Faktoren eine Rolle: Geschlecht, Alter, Tageszeit“, sagt Sörgel. „Man kann nicht einen 35-jährigen Mann mit einer 20-jährigen Frau vergleichen.“ Deshalb ist es so wichtig, möglichst viele Probanden zu untersuchen. Nur wenn man Daten von vielen unterschiedlichen Testpersonen besitzt, kann man Rückschlüsse ziehen. Ho schreibt zwar zu seiner Arbeit, dass er mit seiner Methode alle Fremdfaktoren ausschließen könne, aber Sörgel hat da „doch Zweifel“.

Ein definitiv wirkungsvoller Test ist die Strasburger-Methode. Mit ihr kann HGH direkt nachgewiesen werden. Allerdings sind dafür qualitativ hochwertige Antikörper nötig, die im Moment nicht auf dem Markt sind. „Sie werden vermutlich erst im Herbst wieder zur Verfügung stehen“, sagt Hans Geyer vom Dopinglabor in Köln. Wegen der fehlenden passenden Antikörper ist die Strasburger-Methode juristisch nicht wasserdicht.

Ho und seine Kollegen haben noch etwas herausgefunden, und das glaubt Sörgel sofort. Schlicht deshalb, weil es Experten schon lange vermuten: HGH allein nützt Dopingsündern gar nichts. Den Dopingeffekt entfaltet HGH nur in Verbindung mit Anabolika.

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