Sport : Kleiner Sport

Robert Ide

über den problematischen Drang ins Fernsehen Plötzlich geraten kleine Sportarten vom Rand ins Zentrum des Interesses. Der Anlass ist allerdings unerfreulich. In der Korruptionsaffäre um möglicherweise gekaufte Berichte in der ARD müssen sich nun auch kleine Sportverbände erklären. Ist es richtig, dass die Tischtennis-Bundesliga für Sendezeiten Geld bezahlt hat? Ist es vertretbar, dass die ARD regelmäßig eine Tanzgala ausrichtet und gleichzeitig Geschäfte mit der Agentur des ehemaligen Präsidenten des Tanzsportverbandes macht? Wie viele Agenturen und Sporthändler sollen überhaupt um Rechte, Sendezeiten und Produktionskosten feilschen?

Womöglich geraten jetzt die Falschen unter Verdacht. Sporthilfe-Chef Grüschow soll sich für einen Vertrag von 1997 mit dem Sportjournalisten Wilfried Mohren verantworten, der jetzt wegen Korruptionsvorwürfen im Gefängnis sitzt. Und kleine Verbände müssen prüfen, ob ihre Übereinkommen mit Sendern nicht ungewollt dem Betrug Vorschub geleistet haben. Eines wird aber immer deutlicher: Es ist problematisch, wenn sich der Sport aus der Sende-Nische kaufen will.

Natürlich sind Übertragungen regionaler Turniere und kleiner Ligen heute kaum anders zu realisieren. Denn nachgeordnete Ereignisse bringen selten Quoten; viele Sportarten verlieren Sponsoren, wenn sie nicht im Fernsehen zu sehen sind; dadurch werden sie noch weniger wettbewerbsfähig. Die Verbände versuchen, den Sendern bei der Finanzierung ihrer Übertragungen entgegenzukommen. Das ist aus ihrer Sicht legitim. Doch wie sehr lassen sich Fernsehanstalten, vor allem öffentlich-rechtliche, darauf ein, nicht nur journalistische Kriterien an ihre Berichterstattung anzulegen?

Als Ausweg aus dem Dilemma favorisiert der Deutsche Sportbund einen Sportkanal, finanziert aus Gebühren. In der Tat würde dann mehr Volleyball gesendet. Doch der Sport hätte sich wohl endgültig in die Nische manövriert.

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