Sport : Kleinholz für München

Christian Hönicke

Es sind dies sehr chaotische Tage – zumindest, wenn man sie in Pyeongchang verbringt. Dort, im Taebaek-Sanmaek-Gebirge von Südkorea, sollten derzeit eigentlich die Weltfestspiele des Biathlons stattfinden, doch statt einer rauschenden Party ist die Veranstaltung zu einem wilden Western mutiert. Der größte Leidtragende ist dabei der Austragungsort. Man kann regelrecht dabei zusehen, wie Pyeongchang gleich dem Saloon im Film zu einer kruden Ansammlung Kleinholz verarbeitet wird.

Natürlich, für das matschige Wetter und die seltsamen Verwicklungen rund um die russische Fraktion inklusive angeblicher Morddrohungen, abstruser Jury-Entscheidungen, Protesten und Boykottgebärden kann die 45 000-Einwohner-Stadt nichts. Doch das alles passt wunderbar ins Bild, dessen Rahmen die Organisatoren vorgegeben haben: Katastrophal präparierte Strecken und leere Ränge verärgern die Athleten und Offiziellen nicht zum ersten Mal. Südkorea hat in kürzester Zeit zunächst beim Snowboarden und jetzt beim Biathlon unter Beweis gestellt, dass es aller Ambitionen zum Trotz bereits mit der Organisation einer WM überfordert ist. Freuen darf sich darüber eine Stadt, die mehr als 8000 Kilometer weiter westlich liegt: München.

Die bayerische Landeshauptstadt will sich wie Pyeongchang um die Olympischen Winterspiele 2018 bewerben. Bislang sah nicht nur Richard Adam, Chef der Münchner Bewerbung, die südkoreanische Kandidatur vor allem aufgrund der Unterstützung eines Elektronikkonzerns als schärfsten Gegner an. Nach den Chaostagen von Pyeongchang dürfte sich allerdings auch das Internationale Olympische Komitee so seine Gedanken machen.

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