Sport : Klinsmann verstehen

Wie der Bundestrainer wurde, was er ist

Stefan Hermanns

Als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor anderthalb Jahren einen neuen Bundestrainer suchte, wurden geschätzte Trillionen Kandidaten für dieses Amt gehandelt. Nur einer gehörte diesem illustren Kreis nicht an: Jürgen Klinsmann. Der Legende nach war es erst Berti Vogts, der den DFB auf den Aussteiger aus Kalifornien aufmerksam machte; doch wie alle Legenden ist auch diese nur in Teilen wahr. Vogts spielte in der Tat einen wichtigen Part, für die Rolle des Vermittlers war er allerdings von Klinsmann höchstselbst auserkoren worden. Klinsmann wollte den Job, konnte sich aber nicht öffentlich selbst bewerben. Manchmal ist Zufall sehr logisch.

Nachzulesen sind die genauen Umstände der Bundestrainerwerdung in Michael Horenis Klinsmann-Biografie, bei deren Lektüre man ein bisschen erstaunt feststellt, wie wenig man über das Leben des Bundestrainers weiß. Das liegt daran, dass Klinsmann schon 1989 ins Ausland gegangen ist und sich dadurch der Beobachtung durch die deutsche Öffentlichkeit weitgehend entzogen hat. Horeni hat die weißen Flecken nun gewissermaßen ausgemalt. Doch nicht nur deshalb ist sein akribisch recherchiertes Buch lesenswert. Wer Klinsmann und seine Arbeit verstehen will, findet bei Horeni den Schlüssel.

— Michael Horeni: Klinsmann. Stürmer, Trainer, Weltmeister. Scherz, 318 Seiten, 18,90 Euro.

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