Sport : Klinsmann will mehr Zeit für Nominierung

Michael Rosentritt

Florenz - Die Zeit drängt und Niederlagen wie gestern Abend in Italien machen es dem Bundestrainer nicht gerade einfacher, wenn es um die letztgültige Zusammenstellung seines WM-Kaders geht. Am 22. März findet in Dortmund schon das nächste Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die USA statt. Kurz davor wird Jürgen Klinsmann seinen Kandidatenkreis von 28 Spielern zum letzten WM-Fitnesstest bitten. Eines der vordringlichsten Anliegen des Bundestrainers ist aber gegenwärtig, Zeit zu gewinnen und beim Fußball-Weltverband Fifa eine spätere Nominierung der Aufgebote für die Weltmeisterschaft in Deutschland durchzusetzen.

Nach derzeitigem Stand müsste der Bundestrainer seinen 23-köpfigen Kader für die Weltmeisterschaft (9. Juni bis 9. Juli) bereits am 15. Mai fest bestimmen. „Jeder Spieler möchte zwar so früh wie möglich wissen, dass er gesetzt ist, aber der 15. Mai ist nicht optimal“, sagte Klinsmann. Im Hintergrund laufen daher Bemühungen des Deutschen Fußball-Bundes, die Grenze nach hinten zu schieben. Klinsmann ist mit seinem Ansinnen nicht allein: Zu den Befürwortern der Änderung zählen neben Brasiliens Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira der holländische Bondscoach Marco van Basten sowie Englands Sven-Göran Eriksson. Gemeinsam werden sie beim WM-Workshop am 6. und 7. März in Düsseldorf einen dahingehenden Vorstoß unternehmen, die zuständige Organisationskomission der Fifa tagt am 15. März.

Wird der Meldeschluss nach hinten verlegt, müssten aber die Vereine noch zusätzliche Spieler für zwei Wochen in den verschiedenen Nationalmannschaften abstellen, die dann weniger Urlaub hätten. Aus genau diesem Grund hatte die Fifa den Meldeschluss und das Saisonende in den internationalen Ligen im Januar vom eigentlich geplanten 26. Mai auf den 15. vorverlegt. „Wir wollten keine müden Stars wie bei der WM 2002“, sagt Fifa-Sprecher Andreas Herren, „die WM-Teilnehmer brauchen eine Pause.“ Fifa-Präsident Blatter hat jedoch bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Klinsmann eilt die Zeit davon. Er hat einen vergleichsweise jungen Kader, der auch noch Formschwankungen unterliegt. Je später die Entscheidung über den WM-Kader fällt, desto besser. Nach den Vorstellungen des Bundestrainers soll dies erst Ende Mai sein. Demnach würde er drei Tage nach dem letzten Bundesliga- Spieltag, der am 13. Mai stattfindet, mit etwa 26, 27 oder gar 28 Kandidaten auf Sardinien in die WM-Vorbereitung starten. Der deutsche Trainerstab verspricht sich davon, so besser auf Verletzungen oder Formkrisen reagieren zu können.

Dass Klinsmann spätestens vor der WM-Generalprobe am 2. Juni gegen Kolumbien seinen Kandidatenkreis auf 23 Spieler reduzieren müsste, also einige Spieler aussortieren müsste, sieht der Bundestrainer als vertretbar an. „Es ist sicherlich ein harter Wettkampf für die Spieler, aber das ist ein Teil ihres Jobs“, sagte Klinsmann. „Wir machen uns diese Entscheidungen nicht leicht, aber wir müssen sie dann treffen.“

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