Klinsmanns Entlassung : Trainer werden ist doch schwer

Weil er sich überschätzt hat, ist Jürgen Klinsmann gescheitert. Aber nicht endgültig - wenn er sich eingesteht, dass er immer noch ein Lernender ist. Ein Kommentar von Stefan Hermanns.

Stefan Hermanns

Es ist das Wesen aller Geschichtsschreibung, dass historische Ereignisse stets von ihrem Ende her beurteilt werden. Das trifft auch auf Jürgen Klinsmann zu, der bisher als Initiator jenes Sommers 2006 galt, als in Deutschland alles Pop und Party war. Und jetzt?

Sein Scheitern in München hat vor allem Klinsmanns Gegner in ihrem Urteil bestätigt: dass der smarte Schwabe bei der WM 2006 allenfalls ein mäßig origineller Motivator war, der das Glück hatte, mit Joachim Löw einen exzellenten Taktiker an seiner Seite gehabt zu haben. Klinsmann hat dieses Urteil als äußerst ungerecht empfunden, und vielleicht war auch das ein Motiv, warum er sich auf die Bayern eingelassen hat: Er wollte beweisen, dass er mehr kann, als pathetische Reden zu schwingen; dass er auch über die lange Strecke geht, nicht nur die kurze Distanz einer WM beherrscht. Wenn es so war, muss man wohl feststellen, dass dieses Unterfangen in die Hose gegangen ist.

Klinsmann ist gescheitert, weil er sich überschätzt hat, weil er geglaubt hat, er könne sich auch als Trainer schon mit den Besten messen, so wie er das als Spieler getan hat. Aber ein erfolgreicher Spieler wird nicht zwangsläufig ein erfolgreicher Trainer. Koryphäen wie Guus Hiddink, José Mourinho oder Arsène Wenger waren als Spieler allesamt keine Leuchten. Vielleicht haben sie sich gerade deshalb ganz anders mit dem Fußball beschäftigt, ihn auch intellektuell durchdrungen.

Klinsmann ist nicht endgültig gescheitert, aber nur wenn er sich eingesteht, dass er als Trainer immer noch ein Lernender ist, wird er in diesem Job erfolgreich arbeiten können. So wie Frank Rijkaard, der jetzt als Kandidat für seine Nachfolge bei den Bayern gilt. Rijkaard war als Spieler ähnlich erfolgreich wie Klinsmann, auch er hat als Nationaltrainer begonnen – und sich danach bei Sparta Rotterdam im grauen Alltag verdingt. Sparta stieg mit ihm aus der Ersten Liga ab, Rijkaard wurde Trainer beim FC Barcelona.

Jürgen Klinsmann sollte mal eine Bewerbung an Arminia Bielefeld schicken.

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