Sport : Klitschko vs. Puritty: Die Rache ist brüderlich

Frank Bachner

Bei Universum, Witali Klitschkos Boxstall, haben sie bestimmt mächtig überlegt, um auf das Motto des Kampfs zu kommen. Der Slogan musste natürlich irgendwie knallig sein, schließlich kostet die teuerste Karte 1000 Mark, und Sat 1 überträgt live. Aber dann ist ihnen doch bloß die "Rache des Bruders II" eingefallen. Seit Profiboxen in Deutschland auch Show ist, rächt sich jeder im Ring für irgendetwas, aber Rache klingt halt immer noch ganz gut, und wenn es um einen Klitschko geht, ist dieser Slogan sogar der ehrlichste, den es geben kann. Der Schwergewichtler Witali ist schließlich ohne seinen Bruder Wladimir nicht denkbar.

Der Schwergewichtler Witali Klitschko wird also am 28. Juli im Berliner Hotel Estrel seinen Bruder in einem Kampf um die Internationale Meisterschaft der WBA rächen. Das teilte Universum gestern mit. Vor Klitschko verteidigt der Berliner Halbschwergewichtler Thomas Ulrich seinen Titel als WBO-Intercontinental-Meister; Gegner noch unbekannt. Klitschko wird gegen den zweitklassigen US-Amerikaner Ross Puritty kämpfen, einen 34-Jährigen, der von 44 Kämpfen 28 gewonnen hat und noch nie am Boden war. Die Geschichte mit der Rache ist aber ein bisschen kompliziert. Wladimir Klitschko hatte 1998 gegen Puritty verloren. 15 Monate später unterlag Witali Klitschko Chris Byrd, den wiederum Wladimir Klitschko bald darauf besiegte. Das war Rache I. Jetzt kann Witali seinen Bruder rächen.

Aber so schwierig wie der Slogan ist auch der Boxer zu verkaufen. Als Kampfmaschine geht nicht. Er ist nett und hat einen Doktorhut. Als Intellektueller geht aber auch nicht. Dazu müsste er so feinsinnig klingen wie Henry Maske. Auf ukrainisch klappt das bestimmt. Doch Klitschko setzt den Reportern auf Deutsch zeitweise Sätze vor, die keiner Grammatik folgen und sich entsprechend anhören. Außerdem hat er das Image als Weichei, seit er gegen Byrd aufgab.

Trotzdem sagt er, er möchte mal Mike Tyson vermöbeln. Und den WM-Titel. Dabei ist er, der Europameister, derzeit nicht viel mehr als ein Mitläufer. Er sollte im April boxen und im Mai und im Juni, nichts klappte. "Es nervt", sagt er. Erheblich mehr als eine eigentlich viel schlimmere Nachricht. Wladimir Klitschko versäumt im Juli zum ersten Mal einen Kampf seines Bruders. Er verteidigt in Las Vegas seinen WM-Titel. "Das stört nicht", sagt Witali Klitschko, "ich bin selbstbewusst." Aber so wie er das sagt, ist er einfach nur nett. Der Sympathische, das wäre eine Rolle für ihn. Im Profiboxen ist es die Schlimmste.

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