Sport : Klitschkos Sternstunde

Der Ukrainer soll am 21. Juni gegen Lennox Lewis boxen

-

Los Angeles (Tsp). Mike Tyson ist dieser Kerl mit dem Stiernacken und dem wahnsinnigen Blick. Evander Holyfield ist dieser Typ, dem Tyson ein Ohrläppchen abbiss und damit als Opfer eines Mannes mit der Aura des Tierischen auffiel. Sie sind große Nummern in den USA. Aber Lennox Lewis? Lennox Lewis ist Brite und Schwergewichtsboxer wie Tyson und Holyfield. Er hat Tyson 2002 sogar zur lächerlichen Figur zusammengeprügelt, aber, Herrgott, er ist trotzdem kein USAmerikaner. Keiner will ihn wirklich sehen in den Vereinigten Staaten, keiner von den echt harten Fans. Die Tickets für seinen Kampf im Staples Center in Los Angeles, am 21. Juni, lagen lange an den Kassen, ohne dass sie jemand abholen wollte. Das lag auch am Gegner: Kirk Johnson. Ein Kanadier. HBO, der TV-Sender, der den Kampf übertragen sollte, rechnete schon mal das Minus aus.

Doch jetzt rechnen sie wieder anders bei HBO, jetzt rechnen sie mit einem erheblich besseren Ergebnis. Es gibt nämlich eine Regieänderung: Lewis kämpft am 21. Juni gegen Witali Klitschko um den WM-Gürtel des Weltverbandes WBC, gegen den Schwergewichtsboxer aus dem deutschen Universum-Stall und mit dem ukrainischen Pass. Klitschko hat in den USA einen gewissen Namen, gut für HBO. Für den Ukrainer geht es um viel mehr als um viele Zuschauer vor dem Fernseher. „Am 21. Juni erfüllt sich mein Lebenstraum. Das wird ein Superfight“, sagte Klitschko. Er hat es geschafft, endlich, er darf gegen Titelverteidiger Lennox Lewis boxen. Das ist jetzt sicher. Und es ist eine Überraschung. Denn die einzige Konstante in diesem Kampf um den Kampf waren bisher die Duelle mit einstweiligen Verfügungen, Anwaltsbriefen und Auftritten vor Gericht. Klitschko ist der WBC-Weltranglistenerste, er hatte das Recht auf einen Kampf gegen Lewis. Aber Recht haben und Recht kriegen ist etwas unterschiedliches im Profiboxen. Hier bestimmen Dollarnoten das Gesetz. Also ignorierte Lewis den Ukrainer, weil er lieber gegen Mike Tyson boxen wollte. Aber Tyson wollte nicht, also schwenkte Lewis zu Johnson um. Im November sollte dann Klitschko folgen. Wenn überhaupt. Doch Johnson erlitt im Training einen Riss im linken Brustmuskel, er musste absagen. Das war Klitschkos Chance. Der Ukrainer sollte am 21. Juni, in Lewis’ Vorprogramm, gegen Cedric Boswell (USA) antreten. Und nun ersetzt er Johnson. Der Kampf der Kämpfe für den früheren WBO-Weltmeister (32 Siege, eine Niederlage). Klitschko trainiert seit Wochen in Los Angeles. Sollte er gewinnen, muss er sofort einen Rückkampf gegen Lewis bestreiten. Fritz Sdunek, sein Trainer, sagt: „Jetzt werden wir ein wenig die Taktik ändern.“ Klitschko kassiert 1,4 Millionen Dollar, Lewis sieben.

Und für Lewis ist jetzt alles auf einmal optimal. „Dieser Kampf ist ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk.“ Aber er denkt natürlich weiter. Er könnte im November gegen Superstar Roy Jones jr. (USA) antreten. Das hoffen natürlich auch die Leute von HBO. Klitschko ist ja gut und recht, er ist auf jeden Fall besser als dieser Kanadier Johnson, aber das große Geld machen sie auch mit dem Ukrainer nicht. Das machen sie nur mit Roy Jones jr. oder Holyfield oder Tyson. Lewis gegen Jones jr., dieses Duell würde HBO dann auch im Pay-per-view übertragen, wo die Fans extra bezahlen müssen. Klitschko – Lewis, Ukrainer – Brite, so etwas läuft nur im normalen Pay-TV.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben