Sport : Klose und Ballack retten die Welt

Beim 3:3 gegen Real Madrid überzeugen die Deutschen in einer internationalen Auswahl

Harald Irnberger

Madrid. Es war vielleicht die beste Entscheidung seit langem. Miroslav Klose, schwächelnder Torjäger des 1. FC Kaiserslautern, hatte sich dazu entschlossen, am Fußball-Festspiel zum 100. Geburtstag von Real Madrid teilzunehmen. Beim 3:3 erzielte Klose in der ersten Halbzeit mit einem wunderschönen Flugkopfball die Führung für die Weltauswahl im Bernabeu-Stadion. „Ein Vollblut-Torjäger“, titelte die Sportzeitung „As“ danach. Kein Wort über die nur drei Bundesliga-Treffer in dieser Saison.

Auch Michael Ballack hatte großen Anteil am guten Spiel der Weltauswahl. „Ich bin froh, dass er im WM-Finale nicht dabei war“, sagte Trainer Luiz Felipe Scolari, der die Brasilianer zum WM-Titel führte und die Weltauswahl zusammenstellte. Der dritte Deutsche fiel nicht so positiv auf. Erst kurz vor dem Spiel am Mittwoch ließ Oliver Kahn wissen, dass er den für ihn vorgesehenen Platz zwischen den Pfosten nicht einnehmen werde. Angeblich hatte ihn eine Zerrung ereilt.

Der wahre Grund lag allerdings woanders. Als am Dienstag die drei Weltfußballer des Jahres ausgezeichnet werden sollten, war einzig Kahn persönlich zugegen. Zinedine Zidane erschien zehn Minuten, der Sieger, Real Madrids Brasilianer Ronaldo, 51 Minuten später – ohne ein Wort der Erklärung. Es hieß, sie seien im Verkehrsstau stecken geblieben. Kahn reagierte sauer. Sein finsterer Blick verriet da bereits, dass mit ihm bei Reals Jubiläumsspiel wohl nicht zu rechnen sein würde. Dass er allerdings ersatzweise zum Golfspielen ging, kostete ihn in Spanien viele Sympathien.

Das Spiel fand auch ohne Deutschlands Torwart-Heros Oliver Kahn statt. Dafür aber mit Ronaldo, frisch ausgezeichnet als bester Fußballer Europas und der Welt. Doch wer erwartet hätte, dass das Madrider Publikum dem brasilianischen Star zujubeln würde, sah sich getäuscht. Es skandierte stattdessen den Namen eines Mannes, der nicht geehrt wurde, obwohl er die beständigsten Leistungen in diesem Jahr geboten hatte: „Raul! Raul! Raul!“ Die Leute auf den Tribünen standen mit ihrer Ansicht keineswegs allein. Aus Barcelona meldete sich der dreifache frühere Preisträger Johan Cruyff mit kritischen Tönen. „Ronaldo hat eine gute WM gespielt, mehr war da aber nicht.“ Der Brasilianer bestritt in diesem Jahr nach langwierigen Verletzungen nur rund 30 Spiele. Raul, Figo, Zidane oder Roberto Carlos absolvierten mehr als das doppelte Pensum. Und seit Ronaldo bei Real Madrid mit den genannten Stars in einer Mannschaft kickt, wird immer offenkundiger: Er besitzt weder die Ballbehandlung noch die Ideen eines Zidane oder Figo, schon gar nicht die Fähigkeit eines Raul, der im Alleingang auch mal ein Spiel entscheiden kann, zudem fehlt ihm die Beständigkeit eines Roberto Carlos. Der athletische Torjäger kann kein Spiel aufbauen, keine Mannschaft lenken. Er ist auf das Team angewiesen, um in Schwung zu kommen.

Seine Stärke sind die Konter. Da ist er schnell, besitzt einen phänomenalen Abstauber-Instinkt. Doch bei Reals üblichem Kombinationsfluss fällt auf: Ronaldo ist langsam im Kopf. Offenbar haben sie ihn bei Real ohnehin weniger als Kicker denn als Goldesel für die Geschäfte engagiert – etwa um den Verkauf von Fanartikeln zu forcieren. Ronaldos wahrer Wert ist eben sein Warenwert.

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