Sport : Klose und Kuranyi Wie die Stürmer das Spiel Werder – VfB erlebten

Frank Hellmann

Es sind nicht die Zeiten, die Stürmern wie Miroslav Klose oder Kevin Kuranyi gefallen mögen. Sie genießen zwar den Status als Nationalspieler und werden in Bremen und in Stuttgart gut entlohnt, aber beide haben seit Wochen mit ihrer eigentlichen Tätigkeit, dem Toreschießen, ein immenses Problem. Vor dem Spiel zwischen den beiden Champions- League-Anwärtern Werder Bremen und VfB Stuttgart war der eine 326 Minuten (Klose), der andere gar 584 Minuten (Kuranyi) ohne Treffer. Und die gestrigen 90 Minuten im Weserstadion haben weder Klose noch Kuranyi genutzt, um ihre trostlosen Serien zu beenden. Beide hatten am Ende zwar eine Gelbe Karte für übertriebenen Einsatz, aber eben kein Tor auf dem Konto.

Der 23-jährige Stuttgarter verliert gleich seine ersten Duelle gegen den Bremer Abwehrspieler Frank Fahrenhorst. Es soll der Auftakt einer schwachen Leistung sein. Kuranyi kommt fast regelmäßig zu spät im Strafraum. Er rutscht aus, der Ball rollt vorbei. So geht das eigentlich das ganze Spiel, an dem Kuranyi nie so richtig teilnimmt. Als Erklärung darf er anführen, dass der VfB größten Wert auf Defensive legt und er die einzige Spitze bildet, was aber nicht entschuldigt, einigen Anspielen gar nicht mehr nachzusetzen. Im schwäbischen Kollektiv fällt lange Zeit eigentlich nur er ab. Und doch trägt er noch zum 2:1-Sieg bei: Den von Werder-Torwart Andreas Reinke zu kurz abgewehrten Schuss gibt Kuranyi ab, als er nach Pass von Aliaksandr Hleb sich endlich einmal gegen Fahrenhorst durchsetzt und aus elf Metern abzieht. Reinke hält nicht fest, Kollege Christian Tiffert jubelt, Kuranyi gratuliert freudestrahlend. Wohl auch deshalb gab er später vor, zufrieden zu sein: „Wenn wir gewinnen, bin ich glücklich.“

So etwas sagt der Kollege aus der Nationalmannschaft nicht. Klose flüstert nach Abpfiff mit tieftrauriger Miene: „Noch ist alles möglich, aber es wird schwer.“ Weil nämlich der 26-Jährige als Sinnbild der Bremer Erfolglosigkeit taugt. Klose rackert, rennt (allerdings auch viermal ins Abseits), versucht viel, stellt sich in den Dienst der Mannschaft, aber es kommt dabei nichts herum. Die Zuschauer spenden Klose häufig Szenenapplaus, weil sein Willen erkennbar ist. Nur manchmal ist es besser, man macht nicht viel, dafür aber einmal etwas Entscheidendes, wie etwa ein Tor zu schießen.

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