Sport : Klose wuselt wieder

Der Nationalstürmer kommt allmählich aus der Krise und prompt siegt der FC Bayern

Sebastian Krass[München]

Eine Pointe würde diesem Gespräch noch gut tun, das spürte Mark van Bommel. Sie würde seiner Kritik nichts von ihrer Substanz nehmen und zugleich verhindern, dass er fälschlicherweise wie ein Miesepeter wirkt. Als Vorlage nahm der Kapitän des FC Bayern die Frage, ob er Angst habe, bald wieder auf der Bank zu sitzen. „Ich habe nie Angst vor der Bank“, antwortete van Bommel. „Wenn ich jetzt nach Hause komme, dann lege ich mich sogar auf die Bank.“ Noch ein Augenzwinkern – und Abgang.

Wieder einmal hatte der Niederländer sein feines Gespür für Kommunikation bewiesen. Im Prinzip hatte van Bommel ja gute Laune. Er durfte im Champions-League-Heimspiel gegen den AC Florenz durchspielen, die Mannschaft gewann 3:0 (2:0). Aber es war van Bommel ein aufrichtiges Anliegen, ein paar mahnende Worte zu sprechen. „Wir müssen froh sein, dass Florenz kein Tor geschossen hat“, sagte der defensive Mittelfeldspieler. Er dachte dabei an drei Großchancen der Gäste (von insgesamt 23 Torschüssen), die allesamt durch Abstimmungsprobleme in van Bommels Bereich entstanden. „Die haben mit drei Leuten durch die Mitte angegriffen, wir hatten nur zwei Leute dagegen. Das müssen wir taktisch besser lösen.“ Er meinte: Da müssen sich auch die Offensivspieler mehr einbringen. Dieses Manko erkannte auch Jürgen Klinsmann. „Das Zusammenspiel der einzelnen Positionen muss noch besser werden“, räumte der Bayerntrainer ein. Noch steht der Beweis aus, dass Klinsmann in der Lage ist, der Mannschaft – bei aller Liebe zum Vorwärtsfußball – auch ein tragfähiges Defensivkonzept zu vermitteln. Immerhin den ersten Schritt hat er gemacht, indem er die aktionistische Rotiererei vorerst beendet hat.

Seine besondere Note gewann das Spiel gegen Florenz aber dadurch, dass es trotz dieser Schwächen die bisher beste Saisonleistung der Bayern zu sehen gab. Denn im Spiel nach vorn griffen die Rädchen diesmal gut ineinander. Am augenfälligsten war der Leistungssprung bei Miroslav Klose, Schütze des ersten Tores, der so wach und agil über den Platz wuselte wie seit einem Jahr nicht mehr. Bei den Bayern riefen sie gleich das Ende der Klose-Krise aus. „Es ist auch im Training offensichtlich, dass Miro immer mehr kommt. Sein Antritt ist wieder da, weil er die Fitness hat, die er für sein Spiel braucht“, sagt Klinsmann. Und was sagt Klose selbst? „Ich fühle mich gut“, verkündete er. Sein Sturmpartner Luca Toni hatte noch eine andere Erklärung: „Wir haben ihm etwas ins Getränk getan.“ Doch er schob gleich breit grinsend hinterher: „Das war natürlich ein Scherz. Nicht dass jetzt jemand etwas von Doping schreibt.“ Auch der Italiener lief, arbeitete und spielte mit. Kurzum: Toni war mannschaftsdienlich, eine Eigenschaft, die ihm bisher so fern lag wie Oliver Kahn die Torgefahr.

All das wirkte, als habe die Champions League heilende Kraft für das Bayern-Kollektiv. Angesichts von sieben Punkten aus drei Spielen resümierte Uli Hoeneß: „Ein weiterer Sieg müsste für das Weiterkommen reichen.“ Mit dieser Gewissheit im Hinterkopf wollen die Bayern nun zum großen Überholmanöver in der Bundesliga ansetzen. Drei Spiele binnen einer Woche – das erste am Samstag zu Hause gegen den VfL Wolfsburg – sind eine gute Gelegenheit für einen Zwischensprint.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben