Sport : Klotzen und kleckern

Karsten Doneck

Die Gespräche zogen sich hin. Über rund vier Monate. Am Ende der Verhandlungen hatte der 1. FC Union einen schweren Klotz am Bein einfach abgeschüttelt. "Der Verein hat seine volle wirtschaftliche Unabhängigkeit zurückgewonnen", stellte Präsident Heiner Bertram hochzufrieden fest. Mit seinem bisherigen Vermarkter, der Sportwelt des finanziell angeschlagenen Münchner Filmgroßhändlers Michael Kölmel, traf der Berliner Fußball-Zweitligist eine Vereinbarung, die einerseits eine für Union überaus günstige Rückzahlung der bestehenden Darlehensschuld in Höhe von neun Millionen Euro beinhaltet, die andererseits aber auch den Verein zum alleinigen Gesellschafter der "Union Marketing GmbH" macht. Diese Marketing GmbH wurde zuvor von der Sportwelt, die 80 Prozent der Anteile besaß, deutlich majorisiert.

Mit der Rückzahlung jener Darlehen, mit denen Michael Kölmel den Köpenicker Klub nach seinem Einstieg im Januar 1998 vor dem drohenden Konkurs bewahrte, will Union vereinbarungsgemäß schon in der nächsten Saison beginnen. Selbst als Zweitligist. Allerdings bewegen sich die Tilgungsraten in einem recht erträglichem Rahmen. Von 200 000 Euro pro Saison ist die Rede. Bis da die Gesamtschuld von neun Millionen Euro beglichen ist - das kann dauern. "Ein Zeitpunkt, zu dem alles vollständig zurückbezahlt sein muss, ist vertraglich nicht fixiert", sagt Bertram. Aber er gibt zu bedenken, dass Union nicht auf alle Ewigkeiten nur Kleckerbeträge abstottern will. "Bei einem eventuellen Aufstieg in die Erste Liga beginnt eine zügigere Rückzahlung", so der Präsident. Zudem hat sich der 1. FC Union verpflichtet, einen gewissen Prozentsatz aus der Fernsehvermarktung an Michael Kölmel abzuführen. Wie viel Prozent das sind, darüber schweigen alle Beteiligten. Von einem "insgesamt fairen Ergebnis" spricht Unions Schatzmeister Armin Friedrich.

Für Michael Kölmel hat die Vereinbarung letztlich auch einen Vorteil. Er bekommt sein verliehenes Geld zwar nur in bescheidenen Raten zurück, muss aber dafür auch seinen vertraglichen Verpflichtungen auf Bezuschussung des 1. FC Union in Zukunft nicht mehr nachkommen. Das gelang ihm auf Grund großer wirtschaftlicher Probleme mit seinem Unternehmen "Kinowelt" schon in dieser Saison nicht mehr in vollem Umfang. Ein avisiertes Darlehen in Höhe von 2,8 Millionen Mark musste Union in den Wind schreiben, konnte die fehlende Summe im Etat aber dank der Europapokaleinnahmen ausgleichen. "Die alte Vertragsregelung war schon allein deshalb nicht mehr zu akzeptieren, weil sie ganz einfach nicht mehr umsetzbar war", meint denn auch Unions Geschäftsführer Bernd Hofmann.

Der 1. FC Union, morgen (19 Uhr, Alte Försterei) in der Zweiten Liga Gastgeber für den abstiegsbedrohten 1. FC Saarbrücken, gerät durch die neue Vereinbarung mit der Sportwelt keineswegs in Not. Der zwischen 7,5 und acht Millionen Euro umfassende Etat für die nächste Saison in Liga zwei ist abgedeckt. Dafür sorgt ein Pool von 62 Sponsoren. "Es sind weder Darlehen noch Bankbürgschaften nötig", versichert Hofmann.

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