Sport : Klub aus Wales will Englands Pokal holen

Markus Hesselmann

London - Im Union Jack hat er keinen Platz. Die Flagge des Vereinigten Königreichs setzt sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts aus den drei Kreuzen Englands (St. George), Schottlands (St. Andrew) und Irlands (St. Patrick) zusammen. Der walisische Drache fehlt. Denn Wales ist schon seit dem Mittelalter offiziell ein Teil Englands. Das sehen viele Waliser anders, nicht zuletzt die Fußballfans. Umso stolzer sind sie auf ihr nationales Symbol. „The Dragon has landed“ (Der Drache ist gelandet) heißt das Fanmagazin der Anhänger des Nationalteams. Für die EM hat sich Wales genauso wenig wie die anderen drei Nationen des Vereinigten Königreichs qualifiziert. Doch nun könnte der wichtigste Pokalwettbewerb des großen, ungeliebten Bruders einen sportlich-nationalen Schub auslösen: Am heutigen Sonnabend spielt Cardiff City gegen den FC Portsmouth in Wembley um den traditionsreichen FA-Cup.

Einmal, 1927, gewann Cardiff als bislang einziges walisisches Team den englischen Pokal. „Der Cup kommt nach Wales. So wurde das damals gesehen“, sagt Martin Johnes, Historiker und Experte für den walisischen Fußball. Heute ist die Situation komplizierter – gerade weil der Unabhängigkeitssinn unter den Fans stärker ausgeprägt ist. „Die walisischen Fußballfans sind zwiegespalten“, sagt Johnes. Einerseits freuten sich nicht nur Anhänger von Cardiff City über ein walisisches Team im Finale. Und einen möglichen Sieg über Favorit Portsmouth, der in der englischen Premier League spielt, eine Klasse höher als Cardiff. „Viele Fans unterstützen aber inzwischen Teams aus der Welsh Premier League“, sagt Johnes. Sie verziehen Klubs wie Cardiff oder Swansea City nicht, dass sie des Geldes und der Aufmerksamkeit wegen im englischen Ligasystem mitspielen. Wales hat seit 1992 eine eigene Liga. Sie sei vor allem gegründet worden, um Forderungen des Weltverbandes Fifa nach einer Vereinigung des walisischen Nationalteams mit England abzuwehren, sagt Johnes.

Doch auch viele Cardiff-Fans haben nicht viel für England übrig. Johnes erwartet, dass einige von ihnen während der Hymne „God Save The Queen“ buhen und pfeifen. Bei einer Internet-Umfrage kündigen dies jedenfalls ein paar Dutzend Fans an. Markus Hesselmann

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