Klub-WM : Hekari und Mazembe

Bei der Klub-WM spielen fast nur Exoten. Seitdem die Fifa den Wettbewerb zuerst auf acht und jetzt auf sieben Mannschaften aufgebläht hat, ist er sportlich beinahe wertlos geworden.

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Berlin - Kema Jack ist ein Lügner. Zumindest denken das die Menschen in seinem Dorf in Papua-Neuguinea. Dort wollte niemand dem Stürmer von Hekari United glauben, dass er abreiste, um gegen Lucio und Javier Zanetti, die berühmten Verteidiger von Inter Mailand, zu spielen. Jack und seine Mitspieler hatten sich sich als Ozeanien-Meister für die Klub-WM in Abu Dhabi qualifiziert, das Turnier der Kontinentalchampions. Doch gesehen hat diesen Triumph in Papua-Neuguinea kaum jemand. Strom und fließendes Wasser sind in dem Inselstaat nicht flächendeckend gewährleistet und Zeitungen, nun ja. Leider wird Kema Jacks Traum vom Spiel gegen die Inter-Stars aber ohnehin nicht in Erfüllung gehen. Im Auftaktspiel zur Klub-WM unterlag Hekari United gestern Al-Wahda 0:3. Der Emiratsklub wird nun im Viertelfinale am Samstag auf Seongnam Chunma aus Südkorea treffen. Einen Tag vorher spielt TP Mazembe aus der Demokratischen Republik Kongo gegen CF Pachuca aus Mexiko.

Seitdem die Fifa den Wettbewerb zuerst auf acht und jetzt auf sieben Mannschaften aufgebläht hat, ist er sportlich beinahe wertlos geworden. Bis 2000 spielten die Kontinentalmeister aus Südamerika und Europa den Weltpokal unter sich aus. Bei Spielen wie dem des AC Mailand gegen Sao Paulo kamen 1993 rund 70 000 Zuschauer ins Stadion von Tokio. Von solchen Zahlen können die Veranstalter der Klub-WM nur träumen.

Das Turnier findet wie im Vorjahr in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt, der Gastgeberregion der WM 2022. Bei den Spielen im Vorjahr kamen selten mehr als 5000 Zuschauer ins Stadion von Abu Dhabi. Lediglich das Endspiel zwischen Estudiantes de la Plata und dem FC Barcelona (1:2) lockte 45 000 Fans an. Auch in diesem Jahr werden mit Inter Mailand und SC Internacional aus Porto Alegre höchstwahrscheinlich wieder die Titelträger der traditionellen Fußballkontinente das Endspiel der Klub-WM bestreiten, zu groß ist der sportliche Abstand zu Teams wie Mazembe. Als Zugeständnis an den engen Terminkalender der Großen hat die Fifa die Meister aus Europa und Südamerika automatisch für das Halbfinale gesetzt. So wird den Spielern die weite Anreise neben einer üppigen Prämie (3,5 Millionen Dollar für den Sieger) noch mit Freizeit versüßt.

Und die Spieler aus Papua-Neuguinea? Die können nach ihrem frühen Aus wenigstens Erinnerungsfotos von den großen Stars machen. Damit man ihnen zu Hause auch glaubt.

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