Sport : Klug verhandelt, dumm verloren

In Berlin sprach Eisbären-Eigner Anschutz über die neue Arena und sah im alten Sportforum ein 2:3 gegen Mannheim

Claus Vetter

Berlin. Vieles war am Donnerstag etwas anders als sonst im Berliner Sportforum. Dass die Halle beim Spitzenspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zwischen den Eisbären und den Mannheimer Adlern ausverkauft war, war vorher klar, der Andrang auf der Vip-Tribüne war dagegen erstaunlich. Auf den besseren Plätzen wurde sogar ein Herr gesichtet, der das Rauchverbot im Stadion für sich aufgehoben hatte. Irgendwann im ersten Drittel zog Philip Anschutz ein wenig verstohlen an einer Zigarre – der Mann darf das, schließlich gehören ihm die Eisbären. Am Nachmittag noch hatte der Milliardär aus Denver mit Klaus Wowereit – der Regierende Bürgermeister war gestern auch bei den Eisbären – über seine geplante Großarena am Ostbahnhof gesprochen.

Der Besuch bei den Eisbären war für Anschutz der Abschluss seiner Europa-Tournee, nachdem der US-Amerikaner in London, dem Hauptsitz seiner europäischen Dependance, und in Hamburg vorbeigeschaut hatte. Gemütlicher war es für Anschutz in der schönen Halle seiner Knights in den Londoner Docklands oder in der Color Line Arena bei seinen Hamburg Freezers am Dienstag sicherlich – die beste Partie aber, die hat Anschutz im rustikalen Sportforum gesehen. Wobei sich Anschutz über den Sieger nicht freuen konnte, die Eisbären unterlagen den Mannheimern 2:3 (2:0, 0:2, 0:0/0:1) nach Penaltyschießen.

Dabei hatte ein Mannheimer den Berlinern auf die Sprünge geholfen. Gästetorwart Mike Rosati war anfangs wohl im falschen Tor, denn bei Überzahl der Adler spielte er aus unersichtlichem Grund den Puck auf den Schläger von Mark Beaufait. Der Stürmer der Eisbären verwandelte aus Nahdistanz zum 1:0. Nur sechs Minuten später lenkte Rosati einen Schlagschuss von Ricard Persson in sein Tor und durfte sich von den Berliner Anhängern als einer der ihren feiern lassen. „Rosati, du bist ein Eisbären-Fan“, schallte es von den Stehplätzen. Das war natürlich eine glatte Lüge. Ein Fakt war dafür, dass im Tor der Eisbären Oliver Jonas wesentlich sicherer agierte als sein Mannheimer Kollege.

Trotzdem, das 2:0 nach dem ersten Drittel war schmeichelhaft für die Eisbären. Die Adler agierten offensiver als die Berliner. Und in der 24. Minute nützte es den Eisbären nicht mehr, sich auf ihren guten Torwart zu verlassen: Jonas ließ einen Schuss von Todd Hlushko passieren. Nach dem Anschlusstreffer wurden die Mannheimer noch besser und Ilja Worobjew gelang der Ausgleich. Ein Spielstand, der ein weniger spektakuläres Schlussdrittel überleben sollte.

Die Partie musste im Penaltyschießen entschieden werden – wieder einmal bei den Eisbären und Mannheim. Nur das erste von fünf Saisonspielen hatten die Adler nach 60 Minuten gewonnen. Im Showdown traf Mannheim drei Mal, Berlin zwei Mal. Wayne Hynes schoss das entscheidende Tor.

Nach der Schlusssirene blieb noch die Frage, wie sehr die Anschutz-Gruppe mit dem Projekt in Berlin nach dem Besuch ihres Bosses weiter gekommen ist. Schließlich will Anschutz in ein paar Jahren in einer Loge sitzen und mit 16 500 Fans seine Eisbären sehen – und nicht mehr von einem Plastiksitz im Sportforum aus. „Wir bewegen uns bei den Verhandlungen im unwahrscheinlichen Tempo vorwärts“, sagte Detlef Kornett, der europäische Chef des Unternehmens. Was den sportlichen Teil betrifft, da hat sich gestern aber wieder erwiesen, dass Mannheim kein guter Gegner für den Tabellenführer aus Berlin ist. Philip Anschutz weiß spätestens jetzt, dass der Weg zur Meisterschaft für seine Berliner Filiale ähnlich beschwerlich werden könnte wie der zur neuen Berliner Großarena – denn ein Termin für den Baubeginn ist noch nicht sicher.

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