Sport : Knall und Rauch

Hoffenheim muss sich in der Schallaffäre äußern – Gehörschäden bei Dortmund-Fans scheinen möglich

Raul Kristen

Berlin - Die TSG Hoffenheim muss in der Beschallungsaffäre Stellung beziehen: Bis heute Mittag muss der Fußball-Bundesligist sich gegenüber dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) offiziell äußern. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg und die Polizei ermitteln genauso wie der DFB-Kontrollausschuss. Aufgrund der Ermittlungen soll dann entschieden werden, ob ein Verfahren eingeleitet wird.

Am vergangenen Samstag waren Dortmund-Fans im Sinsheimer Stadion mit einem Piepton beschallt worden, wenn sie Sprechchöre gegen Hoffenheims Präsidenten Dietmar Hopp anstimmten. Bisher teilte Hoffenheim lediglich mit, der Angestellte habe die „selbst konstruierte und eigenverantwortlich betriebene Apparatur“ mit auf die Dienststelle gebracht. Dem Klub drohen wegen der unerlaubten Beschallung der Dortmund-Fans Strafen von einer Geldbuße bis hin zu einem Geisterspiel ohne Publikum oder einer Platzsperre.

Nach Angaben eines Sprechers haben sich mittlerweile elf Betroffene bei der Polizei in Heidelberg gemeldet. Ob sie Anzeige wegen Körperverletzung erstatten werden, muss die Polizei nun in Gesprächen klären. Der Besucher des Spiels, der am Montag als Erster wegen einer angeblichen Gehörschädigung Anzeige erstattet hatte, sei erster Ansprechpartner.

Ein Akustiker soll zudem prüfen, ob durch die Beschallungsanalage überhaupt eine Körperverletzung zustande kommen konnte. Die angewendete Apparatur solle wegen der hohen Kosten jedoch erst nach Ende der Ermittlungen geprüft werden. Auch die Heidelberger Staatsanwaltschaft sieht keinen Grund für ein Eilverfahren. „Wir werden in aller Ruhe prüfen, ob hier Körperverletzung tatbestandsmäßig ist“, sagte eine Sprecherin. Nach Angaben der Heidelberger Polizei sei davon auszugehen, dass die Lautsprecher-Apparatur Lärm von 125 bis 130 Dezibel auf die direkt über dem Fluchtweg positionierten Fans ausstrahlen konnte. Zum Vergleich: Der Lärm eines Presslufthammers oder in einer Disko liegt bei etwa 100 Dezibel.

Dass Dortmund-Anhänger tatsächlich durch die Beschallung zu Schaden gekommen sind, scheint zumindest möglich. „Das ist schon eine enorme Belastung, auch bei einer kurzen Expositionsdauer von wenigen Minuten kann das zu Schäden führen“, sagt Manfred Gross, Leiter der Audiologie und Phoniatrie der Charité in Berlin. „Es können vorrübergehende, aber auch bleibenden Hörschäden auftreten.“ Die Entfernung von Lautsprechern und Fans sei entscheidend. Da der Hoffenheimer Mitarbeiter die Anlage samt zwei Lautsprechern in der Gästekurve aufgestellt hatte, war die Nähe zu den Betroffenen gering.

Vereinsmäzen Hopp nimmt den Ruhestörer weiter in Schutz. Der „Rhein-Neckar-Zeitung“ sagte er: „Keine Frage, er hat der TSG Hoffenheim einen Bärendienst erwiesen. Aber wenn er seinen Arbeitsplatz verliert, wäre ich todunglücklich.“ Der Klub hatte am Montag arbeitsrechtliche und disziplinarische Schritte gegen den Mitarbeiter eingeleitet, der sich zu der Beschallung bekannt hatte.

Zu den Anfeindungen der BVB-Fans sagte Hopp: „Diese Leute sollten mal darüber nachdenken, wie es ist, vor 30 000 im Stadion und Millionen Fernsehzuschauern als Sohn einer Hure beschimpft zu werden.“ Seine Mutter sei eine herzensgute Frau gewesen. (mit dapd)

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