Sport : Knuddelmuddel macht’s möglich

Manfred Zwiener wird in Mariendorf mit sechs Siegen Berliner Traber-Champion

Heiko Lingk

Berlin. Sechs Rennsiege an einem einzigen Tag zu erzielen, bleibt für die meisten Trabersportler ihr Leben lang ein Traum. Nur den außergewöhnlich guten unter ihnen ist so ein besonderes Erfolgsgefühl vergönnt. Bundesweit gibt es Dutzende von Sulkyfahrern, die innerhalb eines gesamten Jahres diese Zahl nicht erreichen.

Zu denen gehört der Berliner Trainer Manfred Zwiener ganz sicher nicht. Schon seit einer runden Dekade gibt er zusammen mit seinem Berufskollegen Michael Hönemann den Ton auf den beiden Trabrennbahn-Sandpisten in Mariendorf und Karlshorst an. Doch der ganz große Wurf ist ihm dabei nur ganz selten geglückt. Während sich Hönemann schon neun Mal das Sulky-Championat in der Hauptstadt sicherte, gelang das Zwiener nur im Jahr 1999. Ein Jahr später folgte zwar sogar der Europameister-Titel, aber fortan bestimmte wieder Hönemann die Musik.

Gestern standen sich beide beim großen Saisonfinale in Mariendorf gegenüber. 165:164 lautete der Stand in der Jahreswertung für Zwiener. Nach Meinung vieler ein zu knapper Vorsprung, um den Erfolgsfahrer Hönemann in Schach zu halten. Und auch Zwiener selber wird am Sieg gezweifelt haben, als seine ersten beiden Pferde, Mandy und Magic Anton, unplatziert blieben.

Doch was der Mann im blauen Dress dann folgen ließ, war ein Triumph ohnegleichen. Ein Wallach, mit dem er innerlich besonders verbunden ist, leitete die große Serie ein. Einer mit einem ungewöhnlichen Namen obendrein: Zwieners kleines Töchterchen Nathalie hatte dem bildschönen dunkelbraunen Vierbeiner in ihrer Kindersprache einst den Namen Knuddelmuddel gegeben. Ein Kosename – für seine Gegner auf der Piste war der Wallach jedoch nie zum Knuddeln. 16- mal deklassierte er alleine in der Saison 2003 seine Gegner. Und als er gestern mit Zwiener erneut als Erster über die Ziellinie stürmte, da sicherte er seinem Trainer nicht nur einen wichtigen Punkt, sondern gab ihm auch das Vertrauen in das eigene Können im Duell mit Hönemann zurück.

Als dann kurz darauf Zwieners Schützlinge Florino Elgin und Dacheetahno Bestleistungen boten, war der Bann endgültig gebrochen. Amarillo, Centovalli und Vanessa Way hießen die weiteren Sieger des Sulkyfahrers, der im zweiten Teil der Mariendorfer Veranstaltung auch in taktischer Hinsicht über sich hinauswuchs. Und schon bald wurde deutlich, dass der Widerstand seines Gegenspielers Hönemann gebrochen war. Ein einziger Treffer mit dem Hengst Nicolas war dessen magere Bilanz.

171 zu 165 Saisonsiege betrug schließlich der dann doch noch deutliche Endstand für Manfred Zwiener. Insgesamt 777-mal ging der Traberprofi, der seine Ausbildung in der ehemaligen DDR begann und schon vor dem Mauerfall in den Westen wechselte, im Jahr 2003 an den Start. Dabei gelangen ihm weitere 392 Platzierungen.

Bundesweit bestimmt allerdings Altmeister Heinz Wewering aus Castrop-Rauxel nach wie vor das Geschehen auf den Trabrennbahnen. Für seinen bereits 27. Titel in Reihenfolge fuhr der „Mann mit dem Goldhelm“ im Jahr 2003 insgesamt 430 Siege im Sulky heraus.

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