Sport : Kobs und Weis beim Grand-Prix-Start dabei - Kräfte schonen für Olympia

Der Generalangriff des Telekom-Mannschaftskapitäns Steffen Wesemann auf das Gelbe Trikot bei der Friedensfahrt ist vereitelt worden. Auf dem längsten und mit neun Bergwertungen gespickten Tagesabschnitt über 230 km von Trutnov nach Usti nad Labem machte ausgerechnet der Leipziger Uwe Ampler seinem langjährigen Rivalen Wesemann einen Strich durch die Rechnung. Ampler, wie Wesemann viermaliger Gesamtgewinner der Friedensfahrt, sorgte in einer Hitzeschlacht dafür, dass der Wolmirstedter keine Sekunden gegen die Polen Piotr Wadecki und Piotr Przydzial gut machen konnte.

Tagessieger wurde der Italiener Alessandro Bertolini aus dem Team Alessio, der als Solist das Ziel erreichte. Der 28-Jährige profitierte dabei allerdings von einem Sturz des Russen Artur Babaizew aus dem Team Nürnberger. Babaizew und Bertolini hatten sich nach 180 Kilometern aus einer Spitzengruppe gelöst. Der Russe hatte gut zwölf Kilometer vor dem Ziel den Italiener abgeschüttelt und sah damit schon wie der sichere Sieger der Königsetappe aus, als er wenig später bei einer rasenden Abfahrt mit einem Fernseh-Motorrad kollidierte, schwer stürzte und sich dabei Prellungen sowie Abschürfungen zuzog. "Das war unmöglich, der Motorradfahrer ist in einer Kurver geradeaus gefahren und hat ihn voll erwischt", schimpfte Teamchef Uwe Raab, den auch nicht tröstete, dass sein Fahrer Jörn Reuss im Spurt der Vorfolger Tagesdritter hinter Telekom-Neuling Stephan Schreck (Erfurt) wurde. "Das wäre ein sicherer Etappensieg geworden," ärgerte sich Uwe Raab.

Die Geschichte des extrem schweren Rennens über die Berge des Riesengebirges schrieb aber Uwe Ampler aus dem Amateur-Team Bunte Berte. Schon wenige Kilometer nach dem Start sorgte der 35-jährige Leipziger, der nach einer sechsmonatigen Doping-Sperre sein erstes Rennen bestreitet, für die Bildung einer Spitzengruppe mit 15 Fahrern, die schnell an Vorsprung gewann. Erst als mehr als drei Minuten Vorsprung herausgefahren waren, machten sich Steffen Wesemann als Solist und später in dessen Rücken die beiden in der Gesamtwertung führenden Polen an die Verfolgung. Aber gerade als die Verfolger um Wesemann zu den Spitzenfahrern aufgeschlossen hatten, setzten Ampler und einige Begleiter einen Konter. Nach gut 100 km bildete sich erneut eine Gruppe um Ampler und die gerade aufgeschlossenen Spitzenfahrer mussten zur Überraschung aller Begleiter die Außenseiter erneut ziehen lassen. "Wadecki hat die Rundfahrt gewonnen. Ich kann nicht wie heute jeden Tag ans Limit gehen, zumal noch die Tour de France vor mir liegt", erklärte der sichtlich enttäuschte Wesemann. "Wir haben alles versucht, aber 90 Prozent des Feldes fährt gegen uns. Ich denke, dass ich mich trotz des verpassten Gesamtsieges auch in diesem Jahr mit zwei Etappensiegen nicht blamiert habe."

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