Sport : Kochen und plaudern

Warum Wasserballer Marko Savic lieber in Spandau spielt als in seiner Heimat Jugoslawien

Helen Ruwald

Berlin. Das Dasein als Wasserballer beim Deutschen Meister hat seine Tücken. Neben dem Herd von Marko Savic lag zu Beginn seiner Karriere bei den Wasserfreunden Spandau nicht nur das Kochbuch „Schnelle Küche“, sondern auch ein Wörterbuch. Der Jugoslawe kämpfte sich durch Begriffe rund ums Braten und Überbacken. 15 Monate später spricht der 21-Jährige hervorragend Deutsch – und ein wenig kochen kann er auch. Auch wie man eine Waschmaschine bedient, weiß er. Dinge, mit denen er als Profi in Becej nicht konfrontiert wurde, dort ließ er waschen und aß im Restaurant.

In Jugoslawien, dem Land des Europameisters und WM-Zweiten 2001, hat Wasserball traditionell einen hohen Stellenwert. Fast alle Akteure sind Profis, die Spiele werden abends zur besten Sendezeit live im Fernsehen übertragen – Verhältnisse, die in Deutschland unvorstellbar sind. Nach nur einer Bundesligasaison wurde Savic zu Deutschlands Wasserballer des Jahres gewählt – ein Jahr zuvor hatte er in Spandau noch im Probetraining bestehen müssen. Trotz der Ehrung „kennt mich hier keiner“, sagt Savic lachend. Bis auf die Gegenspieler, die ihn oft nur stoppen können, wenn sie klammern. Savic wartete dann auf Schiedsrichterpfiffe, vergebens. „Das war krass, ich habe mich schwer gewundert. In Jugoslawien wird viel mehr gepfiffen.“

Dort wäre er ein Star, und doch hat sich Savic für Deutschland entschieden: „Wasserball ist nicht mein Leben, ich will studieren.“ Er hat bis zu viermal die Woche Deutsch-Unterricht gehabt und fängt im Januar am Studienkolleg der Freien Universität an. Dort bereiten sich Ausländer auf ein Studium in Deutschland vor. Anschließend will der Jugoslawe BWL studieren.

Savic kann sich vorstellen, eingebürgert zu werden und für Deutschland anzutreten. „Ich will eine EM oder WM spielen“, sagt er. Der Junioreneuropameister glaubt nicht an eine Karriere im Männerteam seiner Heimat. Der Trainer baue nicht auf ihn, sagt er. „In Jugoslawien herrscht die Meinung vor, dass die deutsche Liga schwach ist.“ Tabellenführer Spandau, der heute (15.30, Schwimmhalle Schöneberg) den SV Würzburg empfängt, ist zu überlegen. Savic findet die Bundesliga deshalb manchmal „ein bisschen langweilig“. Um für die Champions League in Form zu kommen, müsse sein Klub aber „immer volle Kanne spielen“. Dass er in Berlin nichts gelernt hat, lässt sich jedenfalls nicht sagen. Er kann kochen und beherrscht die deutsche Umgangssprache.

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