Sport : Kochkurs und Charaktertest

Wie sich Alba Berlins Gegner Ludwigsburg an der Tabellenspitze etablierte

Fabian Heckenberger[Stuttgart]

Einmal im Monat empfangen die Basketballherzöge von Ludwigsburg einen Ehrengast. „Dunking Dukes“ heißt der Fanklub der EnbW Ludwigsburg in Anlehnung an die historische Vergangenheit der Barockstadt, am Mittwoch kam Bundesligatrainer Silvano Poropat zu Besuch. Warum, so wollten die Fans wissen, habe sich der früher an der Seitenlinie so jähzornige Basketballtrainer zum ruhigen Beobachter entwickelt? Poropat erzählte von Respekt vor den Schiedsrichtern und dem Wandel seiner Person. Doch die Wahrheit lässt sich in zwei Zahlen abbilden: 12 und 11.

Von zwölf Bundesligaspielen hat Ludwigsburg elf gewonnen, unter anderem gegen Meister Köln und vor einer Woche mit 13 Punkten Unterschieden in Bamberg. „Mit diesem Sieg haben die Ludwigsburger eine Duftmarke gesetzt“, sagt Alba Berlins Trainer Henrik Rödl, „wahrscheinlich werden sie um die Meisterschaft spielen.“ 2004 stieg Ludwigsburg fast ab, scheiterte dann zweimal im Playoff-Viertelfinale und tritt heute als Tabellenführer beim Zweiten Berlin an (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Seit Wochen steht das Überraschungsteam an der Spitze, das aus Kostengründen mit dem Bus nach Berlin fährt und nur mit Ausnahmegenehmigung in Ludwigsburg seine Heimspiele austrägt – es gibt zu wenig Sitzplätze.

Doch auf dem Feld läuft alles nach Plan. Zur bekannt starken Offensive ist eine starke Defensive gekommen. Das Spiel ist geprägt von Teamgeist und von fast schon blindem Spielverständnis der Akteure untereinander. Nicht ohne Grund ist Spielmacher Jerry Green mit durchschnittlich 5,8 Assists pro Spiel der zweitbeste Vorlagengeber der Liga. „Es sind nicht die besten Einzelspieler, die ich je trainiert habe“, sagt Trainer Poropat, „aber ich hatte noch nie ein Team, das so perfekt zusammengespielt hat.“ Fünf Neuzugänge sind gut integriert worden.

Diese Harmonie ist kein Zufallsprodukt. Schon vor drei Jahren engagierte Ludwigsburg einen Mentalcoach, und die Verantwortlichen legen viel Wert auf den Charakter eines Spielers. Jeder potenzielle neue Akteur muss einen der Fragebögen ausfüllen, die ursprünglich für Einstellungsgespräche von Wirtschaftsunternehmen entworfen wurden. Es tauchen aber auch Fragen auf wie: „Wie verhältst du dich gegenüber einem Mitspieler, der überragende Statistiken hat?“ Mögliche Antworten sind: a) Ich schneide ihn, b) ich rede mit dem Trainer, damit ich selbst mehr involviert werde, c) ich spreche den Spieler selber an. Nur Neuzugang Je’Kel Foster antwortete, dass die Mannschaft doch von einer guten Statistik profitieren würde. Er ist einer der Stars im Team.

„Wir haben nicht das Geld, um die großen Namen zu verpflichten“, sagt der Klubvorsitzende Alexander Reil. Der Etat beträgt rund 2,1 Millionen Euro, bei Alba ist es etwa dreimal so viel. „Wir müssen mit anderen Mitteln die nötigen zusätzlichen Prozentpunkte herauskitzeln“, sagt Reil. Vor der Saison wurde die gesamte Mannschaft zum Kochkurs geschickt. Die Botschaft lautete: Erst durch die Zusammenarbeit vieler Köche wird ein erfolgreiches Menü möglich. Die ungewöhnlichen Maßnahmen haben gewirkt.

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