Köln - Leverkusen 2:0 : Und wieder nur Zweiter

Leverkusen verspielt die letzte Titelchance beim 0:2 in Köln. Die Kölner Fans wettern gegen den Vorstand und pfeifen den neuen FC-Trainer Volker Finke schon vor dem Spiel aus.

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Wieder nur Zweiter: Michael Ballack und Leverkusen gucken zu, wie die Anderen feiern.
Wieder nur Zweiter: Michael Ballack und Leverkusen gucken zu, wie die Anderen feiern.Foto: dpa

Rudi Völler brauchte erst einmal eine Abkühlung. Fünf Minuten nach dem 0:2 in Köln, mit dem die Leverkusener die Dortmunder 100 Kilometer weiter nordöstlich in ihren Meistertaumel stürzen ließen, eilte Bayers Sportdirektor von seinem Tribünenplatz Richtung Kabinentrakt. Über die schmerzhafte Derby-Niederlage sprechen wollte Völler in dem Moment noch nicht. Stattdessen schüttelte er nur, halb erbost, halb frustriert, das weiße Haupt, verschwand wortlos hinter einer Glastür – und überließ Wolfgang Holzhäuser das erste zähneknirschende Glückwunschtelegramm an die Borussia.

Einen Augenblick lang verfolgte Leverkusens Geschäftsführer auf dem Fernsehgerät über seinem Kopf noch die wilde Feier in Schwarz und Gelb, dann erklärte er sehr gefasst: „Dortmund ist absolut verdient Deutscher Meister. Wenn sie es in dieser Saison nicht geschafft hätten, wäre das schon dramatisch gewesen.“ Anschließend sprach Holzhäuser über Referee Deniz Aytekin, der ihn und vor allem Rudi Völler auf der Tribüne zur Weißglut getrieben hatte. Doch am Ende gestand selbst der Bayer-Boss: „Manche unserer Spieler hatten heute nicht ihren besten Tag. Der Schiedsrichter vielleicht auch nicht – aber er kann ja nichts dafür, dass wir die Tore nicht machen.“

Kann er nicht. Und genauso wenig trug der zweifellos überpingelige Aytekin die Schuld daran, dass Leverkusen seine letzte Chance, Jürgen Klopps Dortmunder noch ein wenig zu ärgern, eine Halbzeit lang komplett ignorierte. Gegen die nur kämpferisch überzeugenden Kölner, von Sportdirektor Volker Finke nach dem Rücktritt des beliebten Cheftrainers Frank Schaefer beim ersten seiner drei Rettungseinsätze betreut, kam vor der Pause allein Mittelfeldmann Gonzalo Castro nach einem weiten Pass von Michael Ballack, zu einer – dafür aber exzellenten – Torchance.

„In der ersten Halbzeit waren wir viel zu passiv“, sagte Bayers Trainer Jupp Heynckes. Mit der zweiten Halbzeit, in der die Gastgeber bei ihrem ersten Derby-Sieg seit 14 Jahren durch Mittelstürmer Milivoje Novakovic paradoxerweise die entscheidenden Treffer erzielten, konnte Heynckes („Ich bin froh, dass Dortmund Meister geworden ist“) dagegen zufrieden sein. Abgesehen vom Pech vor des Gegners Tor, wo Nationalstürmer Stefan Kießling einmal die Latte, der Brasilianer Renato Augusto einmal den Pfosten trafen und FC-Keeper Michael Rensing zwischendurch mit ebenso großartigem wie hartem Einsatz gegen den einköpfbereiten Ballack einen Rückstand verhinderte.

Köln dagegen gelang „ein ganz wichtiger Sieg“, wie es Kurzzeit-Coach Finke formulierte, der zur Begrüßung ausgepfiffen wurde: „Die Zusammenarbeit hat funktioniert.“ Auch seinem Kapitän Lukas Podolski („Jetzt noch ein Unentschieden in Frankfurt, dann sind wir durch“) waren die Leverkusener Versäumnisse einerlei. Anders lagen die Dinge bei Bayer-Schlussmann René Adler. Ließ Leverkusen doch die Gelegenheit, sich einen festen Platz in der Champions League zu sichern, nachlässig, zum Teil sogar fahrlässig sausen. „Und“, erklärte Adler über die geheimen Sehnsüchte von Bayer, „wenn wir das heute geschafft hätten, hätten wir auch noch mal nach oben schielen können.“

Scharf auf Deniz Aytekin geschielt hatte Rudi Völler, der dem Referee unmittelbar nach Spielschluss im Kellergeschoss der Kölner Arena laut und vernehmlich zurief: „Pfeif Frauenfußball!“ Denn: „Jeden Mückenstich pfeifst du.“ Und dann ging sich Leverkusens Sportchef erst einmal abkühlen.

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