Köln - Wolfsburg 0:3 : Die Abenteuer des Kapitän Träsch

Während der VfL Wolfsburg beim Saisonauftakt mit neuem Spielführer gut fährt, geht der gleiche Plan für den 1. FC Köln bei der 0:3-Heimpleite nicht auf.

Richard Leipold
Der neue Wolfsburger Kapitän Christian Träsch (l.) im Zweikampf mit Kölns Torjäger Milivoje Novakovic. Foto: dpa
Der neue Wolfsburger Kapitän Christian Träsch (l.) im Zweikampf mit Kölns Torjäger Milivoje Novakovic.Foto: dpa

Nach seinem ersten Spiel zeigte Stale Solbakken Größe im Angesicht der ersten Niederlage. Es seien keine individuellen Fehler gewesen, die dem 1. FC Köln die 0:3 (0:1)-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg eingebrockt hätten, „das war kein gutes Spiel von unserer ganzen Mannschaft“, sagte der norwegische Trainer. Er habe sie aufgestellt, dafür übernehme er die Verantwortung. Sich derart vor die Mannschaft zu stellen, ist nicht gerade die Art des Felix Magath, der Wolfsburger Trainer hätte diesmal auch keinen Grund dazu gehabt. Nach dem Pokal-Aus gegen den Viertligisten Leipzig triumphiert der eigenwillige Impresario. Dank zwei Toren von Patrick Helmes und einer direkt verwandelte Ecke von Marcel Schäfer gewann die stärkere Mannschaft.

„In der ersten Halbzeit haben wir ängstlich gespielt“, analysierte Solbakken, „in der zweiten wurde es etwas besser, und wir hätten mit ein bisschen Glück das 1:1 machen können, aber es war nicht unser Tag heute.“

Vor dem Start in den Bundesligabetrieb hatten die Trainer jeweils einen neuen Kapitän bestimmt. Solbakken machte Verteidiger Pedro Geromel zum Nachfolger von Lukas Podolski. Beim VfL Wolfsburg erhielt Mittelfeldspieler Christian Träsch, der erst zu Saisonbeginn zum VfL gewechselt war, das Kapitänspatent zuerkannt. Magath hatte den vorherigen Spielführer Schäfer nach der blamablen Pokalniederlage abgesetzt, um der Mannschaft einen Impuls zu geben. Ob es am neuen Kapitän lag oder an der taktischen Neuordnung im Mittelfeld: Wolfsburg startete aktiver und zielstrebiger als die Kölner, die nervös und gehemmt wirkten.

So verwunderte es nicht, dass Wolfsburg in Führung ging. Dem Torschützen Helmes war es ein besonderes Vergnügen, in seiner Geburtststadt gegen den Klub zu treffen, bei dem er sich als Profi vor einigen Jahren etabliert hatte. „Das ist schon mal ein guter Anfang“, sagte er später. Mit dem Treffer rechtfertigte er die Entscheidung Magaths, ihm den Vorzug vor Srdjan Lakic zu geben, der zu Saisonbeginn vom 1. FC Kaiserslautern gekommen war.

Der Rückschlag vermochte die Kölner nicht wachzurütteln. Sie blieben in der Abwehr fahrig und bei ihren Angriffsversuchen harmlos. Die FC-Fans machten ihrem Unmut schon während der Partie Luft und verabschiedeten ihre Elf mit Pfiffen in die Pause. „Das ist doch normal, wenn wir so spielen“, sagte Geromel. „Das habe ich nicht gehört“, sagte Solbakken, äußerte aber Verständnis für die Pfiffe.

Auch im zweiten Durchgang kamen die Kölner Angriffe über das Stadium des Versuchs meist nicht hinaus. Und in der Abwehr blieben sie anfällig. Allerdings fehlte Träsch und mehrmals Helmes bei hervorragenden Chancen die nötige Präzision im Abschluss. Sonst wäre die Heimelf schon nach 65 Minuten so gut wie geschlagen gewesen. In der Schlussphase erzeugten die Kölner aber doch ein wenig Gefahr und den Anschein von Spannung. Slawomir Peszko traf den Pfosten, Milivoje Novakovic scheiterte am glänzend parierenden Torhüter Diego Benaglio. Kurz darauf schickte Schiedsrichter Gräfe ihn mit Gelb-Rot vorzeitig vom Feld. „Zu hart“, urteilte Solbakken. Die Wolfsburger verloren zeitweise ihre Souveränität, nicht aber die drei Punkte. Fünf Minuten vor dem Ende erzielte Schäfer – auch ohne Kapitänsbinde – mit einem Eckstoß das zweite Tor, ehe Helmes den Vorsprung in der Nachspielzeit nochmals ausbaute.

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