Sport : Kölner Fall-Rückzieher

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Lorenz Maroldt über einen Manager, der in der Nachspielzeit trifft

Ganz liebe Worte zum Schluss: Schade, schade, es hat nicht sollen sein, und leider, leider musste man sich trennen. Friedhelm Funkel trainiert den 1. FC Köln nicht mehr. „Die Unzufriedenheit im Umfeld“ sei zu groß geworden, sagt Manager Andreas Rettig, und man erinnert sich an den Kuss, den er seinem Trainer nach dem glücklichen Sieg gegen Freiburg auf die Wange drückte. Schön geheuchelt. Schlecht gemacht.

Rettig hat Funkel schon vor Wochen gesagt, dass er für ihn einen Nachfolger sucht. Jetzt muss Funkel gehen, ausgerechnet nach einem Sieg im Pokal – und auf der Bank sitzt am Samstag als Chef voraussichtlich der berühmte Kotrainer Jos Luhukay. Rettig schiebt es also aufs „Umfeld“. Die 800 Getreuen, die in Wolfsburg bei den dortigen Amateuren das Grauen sahen und, zugegeben, nicht gerade begeistert waren, können damit nicht gemeint sein. Von dem bisschen Volk lässt sich doch ein Andreas Rettig nicht sagen, was er tun soll. Das Umfeld ist vor allem er selbst. Während der vergangenen anderthalb Jahre hat er ungefähr ein bis zwei wirklich gute Spiele gesehen, und die gingen auch noch verloren. Funkel passte nur zur Leistung der Mannschaft, nicht zum Anspruch des Vereins. Der Anspruch von Rettig aber ist bisher noch kein Thema gewesen.

Groß geworden bei Reiner Calmund, der noch nie Deutscher Meister war, selbstständig geworden beim SC Freiburg, der auch immer sehr gerne die Klasse hält – das reicht hier nicht, um entspannt ein Kölsch zischen zu können. Deshalb muss es immer weiter nach oben gehen. Funkels Vorgänger Lienen hatte nach jeder Niederlage Fortschritte entdeckt, bis der FC unten angekommen war. Funkel war wenigstens ehrlich. Und Rettig? Er hat das Falsche gesagt, aber das Richtige gemacht. Etwas chaotisch. Rechtzeitig. Die Lienen-Lehre jedenfalls hat er verstanden.

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