Kölner Haie gegen Eisbären : Der Mann, der mit Haien spielen kann

Mann mit klaren Ansagen: Mit dem Kanadier Cory Clouston als Trainer wachsen die Kölner wieder zu einem Topklub im Eishockey heran.

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Da lang, bitte. Cory Clouston sorgt bei den Haien für Struktur, auch wenn es am Freitag eine Niederlage in Straubing gab.
Da lang, bitte. Cory Clouston sorgt bei den Haien für Struktur, auch wenn es am Freitag eine Niederlage in Straubing gab.Foto: Imago/Eibner

Einmal pro Woche lädt Cory Clouston Kölner Journalisten zum Hintergrundgespräch ein. Mit wichtigem Blick jubelt der Kanadier dann nordamerikanische Eishockeybinsen unters Pressevolk. Der Trainer der Kölner Haie sagt mit bedeutungsschwangerem Tonfall Dinge wie: „We don’t look at them, we look at our game.“ Oder: „We gotta stick to our system.“ Besonders gern genommen: „The special teams make the difference.“

Cory Clouston. Klein, blaue Augen, stechender Blick. Seit bald einem Jahr ist der Kanadier nun Trainer bei den Kölner Haien. Es scheint zu funktionieren. Allein am sportlichen Ergebnis gemessen in dieser Saison der Deutschen Eishockey–Liga (DEL) sowieso, da sind die Kölner nach 15 Spielen Tabellenzweiter. Die Haie tragen nun nicht mehr nur ihren guten Namen vor sich her, denn die Erfolgsbilanz der jüngsten Jahre ist schmal. Zuletzt wurde Köln 2002 Deutscher Meister. Aber jetzt wächst der Respekt bei den Gegnern. Uwe Krupp, gebürtiger Kölner und Ex-Trainer der Haie, sagt vor dem Spiel der von ihm betreuten Eisbären Berlin am Sonntag in der Kölnarena (Beginn 16.30 Uhr): „Ich glaube, die Haie haben gute Chancen, weit zu kommen. Sie haben ein sehr gutes Team.“

Das wird Clouston kaum reichen, er ist nicht mit seiner guten Eishockey-Vita nach Deutschland gekommen, um nur mitzuspielen. Der Mann, der nach nur kurzer unterklassiger Karriere als Spieler, 1996 Trainer des Jahres in der Alberta Junior Hockey League wurde, hat mit erst 47 Jahren schon eine komplette Trainerlaufbahn hinter sich. Jahrelang ging es bergauf für den Mann aus der Provinz Alberta, vom Nachwuchscoach bis zum Trainer in der National Hockey-League (NHL). Im Februar 2009 wurde er Cheftrainer der Ottawa Senators. Ein Jahr später führte er das Team in die Play-offs, in denen die Mannschaft in der ersten Runde gegen NHL–Titelverteidiger Pittsburgh Penguins scheiterte. Das las sich gut, war eine Saison später aber vergessen. Ottawa verpasste die Play-offs, nur Minuten nach dem letzten Saisonspiel wurde Clouston entlassen – aus einer knapp drei Jahre langen Karriere in der NHL, die vielversprechend begonnen hatte.

Fast drei Jahre lang hat Clouston in der NHL gearbeitet

Es gibt viele von den Cloustons im Eishockey. Die NHL ist nicht nur die beste, sondern auch die brutalste Liga der Welt. Eine Einbahnstraße, wer Misserfolg hat, der wird schnell vergessen. Clouston verdingte sich unterklassig, bis im Januar diesen Jahres Köln kam. Erst wirkte der Mann am Rhein wie im falschen Film. Mit seinen schlecht sitzenden Anzügen und dem Geruch der weiten Eishockeywelt, aber ohne Kenntnisse der DEL. „Eine interessante Liga mit vielen ehemaligen NHL-Spielern“, lautete sein erstes Urteil. Die Liga sei gut, sagt er heute.

Mit den Haien und ihrem neuen Coach, das passte auf Anhieb. Mit dem knorrigen Vorgänger Niklas Sundbald und dessen strengen Methoden war die Mannschaft überhaupt nicht klargekommen. Mit Clouston ist das anders. Der habe weder Ausschläge nach oben noch nach unten, sei nie zu emotional, sagen die Spieler. Bei dem Trainer wisse man, woran man sei. Clouston macht kurze, knackige Trainingseinheiten und klare Ansprachen. Zack zack. So läuft das. Eisbären-Sportdirektor Stefan Ustorf sagt: „Die Kölner spielen sehr strukturiert und machen wenig Fehler.“

Nach der vergangenen Saison, die die Haie mit der Halbfinalteilnahme in den Play-offs beendeten, verlängerte Clouston für zwei Jahre. Und seit der Klub für die Dienstgarderobe sorgt, passen auch die Anzüge. Er könne sich zwar vorstellen, wieder in die NHL zu wechseln, sagt er. Aber da muss es erst mal ein Angebot geben. Bei nur 30 NHL-Klubs und etwa 3000 Trainern, die auf so ein Angebot warten, ist Clouston eher nicht auf Warteplatz eins. In Köln ist es ja auch ganz schön. Der Klub hat die größte Halle im Lande und inzwischen auch den besten Verteidiger der Liga: Vor ein paar Tagen hat Christian Ehrhoff die Haie verstärkt. „Er ist ein Führungsspieler und ein großes und wichtiges Teil in unserem Puzzle, er ist ein Weltklassespieler“, sagt Clouston.

So einen wie Ehrhoff hätten die wackelnden Eisbären auch gut gebrauchen können, aber im Poker um Deutschlands NHL-Heimkehrer waren die Berliner schnell aus dem Rennen. Zu teuer. Trotzdem hält Clouston viel von den Eisbären und ihrem Trainer Uwe Krupp. Die Berliner seien „well coached“. Und Clouston greift noch mal in die Kiste der Sportsprache: „We have to be prepared.“ Wir müssen gut vorbereitet sein. Logo.

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