Sport : Kölner Wucht

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Es gibt Worte, da ist es nicht eindeutig, ob sie Gutes oder Schlechtes bezeichnen. „Wucht“ ist so ein Wort. Wucht, also die „durch Gewicht, Kraft, Schwung o. Ä. erzeugte Heftigkeit, mit der sich ein Körper gegen jemanden, etwas bewegt“ (Duden), benennt ganz verschiedene Impulse: Sie kann zerstörerisch oder kreativ sein; ungezügelt oder kontrolliert. „Du bist ’ne Wucht“ – das Kompliment hört man gern, in einigen Teilen Deutschlands ist die „Wucht“ allerdings auch eine Tracht Prügel – und wer eine Frau in ihrem Beisein „Wuchtbrumme“ nennt, dem gnade sowieso Gott.

So vieldeutig ist es auch im Fußball: Wer bei Google „Wucht“ und „Klopp“ eingibt, findet zu Lobpreisungen des Dortmunder Spiels. Bei „Wucht“ und „Hertha“ geht es um die zerstörerische Macht des Abstiegskampfs.

Wir lernen so, dass Wucht meist nur dem dient, von dem sie ausgeht, und nicht dem, den sie trifft. Womit wir bei Holger Stanislawski wären, der seinem neuen Klub, dem 1. FC Köln, und der anhängigen Stadt am Dienstag eine „unheimliche Wucht“ bescheinigte. Was von Stanislawski anerkennend gemeint war, erweist bei näherem Hinsehen einen bitteren Doppelsinn: Da benennt einer schon vor dem Amtsantritt die rohen Kräfte, die ihn – so sie sich gegen ihn wenden – vernichten werden. Stanislawski mag selbst noch glauben, dass er die Wucht Kölns so lenken kann, dass sie produktiv wirkt. Einem neutralen Beobachter erscheint das angesichts dessen, was die rheinische Wucht in den letzten Jahren aus Trainern gemacht hat, ziemlich ambitioniert.

Immerhin: Im Gegensatz zu manch einem Vorgänger scheint sich Stanislawski dieser Wucht und damit vielleicht auch ihrer Gefahren von Beginn an voll bewusst – keine schlechte Voraussetzung, sie doch urbar zu machen. Und auch das ist klar: Sollte er tatsächlich etwas erreichen beim FC, Stanislawski wäre, zumindest aus Sicht der Kölner Fans, eine echte Wucht.

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