Sport : König der Berge

Jose Maria Jimenez war einer der beliebtesten Radprofis Spaniens – nun starb er mit 32 Jahren

Mathias Klappenbach

Berlin. Die Beileidsbekundungen kommen aus allen Teilen des Landes. Der ehemalige Radprofi Jose Maria Jimenez war bis zum Wochenende immer noch ein Star in Spanien, obwohl er schon seit zwei Jahren wegen manischer Depressionen kein Profirennen mehr bestritten hatte. In der Nacht zum Sonntag ist Jimenez, der nur 32 Jahre alt wurde, in einer psychiatrischen Klinik in Madrid an Herzversagen gestorben.

Der Vorsitzende der Regierungspartei, Mariano Rajoy, bezeichnet ihn in einem Telegramm an die Familie als „den besten Kletterer, den Spanien je hatte“. Auch der fünfmalige Gewinner der Tour de France, Miguel Indurain, zeigte sich tief betroffen über den Tod seines ehemaligen Teamkollegen und Helfers. „Das ist ein schwerer Schlag, wir sind zusammen durch dick und dünn gegangen. Es scheint, als hätte ihn sein Körper einfach aufgegeben.“

Jimenez hatte seine Karriere 1993 in Indurains Team Banesto begonnen, drei Jahre später wurde er Spanischer Meister und galt bei Fans und Experten schon als kommender Sieger bei der Tour, bei der er im Jahr darauf den achten Platz belegte. 2001 gewann er bei der Spanien-Rundfahrt, der drittgrößten Rundfahrt der Welt, vier Etappen und die Bergwertung. Es war sein letztes großes Rennen. „El Chaba“, was man mit „Der Wilde“ übersetzen könnte, fehlte die für die ganz großen Erfolge nötige Beständigkeit. Der aus einfachen Verhältnissen stammende Jose Maria Jimenez ließ ausschweifende Partys, Alkohol und angeblich auch andere Drogen wie Kokain nur dann aus, wenn er sich tagelang in seiner Wohnung einschloss, um nachzudenken.

Manchmal fuhr er monatelang den anderen hinterher, dann wieder schien er bei den schwierigsten Bergetappen den anderen Fahrern davonzufliegen. Sein spektakulärer Stil machte Jimenez zum Liebling der spanischen Radsportfans. Trotz seiner für einen der besten Bergfahrer ungewöhnlichen Größe von 1,83 Meter erinnerte seine Art, auf die Herausforderung der Berge zu reagieren, an den Italiener Marco Pantani, der ebenso wie der Belgier Frank Vandenbroucke wegen Depressionen mit dem Profirennsport aufgehört hat.

Zu Beginn der Saison 2002 hatte Jimenez nach einer psychiatrischen Behandlung sein Comeback angekündigt, vor allem wegen der Fans, wie er sagte. Er nehme jetzt Antidepressiva und putze aus lauter Vorfreude jeden Tag selber sein Fahrrad, sagte Jimenez, der den Weg zurück auf die Rennstrecke aber nicht mehr fand. Obwohl, oder vielleicht auch gerade weil er die riesengroßen sportlichen Erwartungen in Spanien nie ganz erfüllen konnte, liebten die Massen ihren Jose Maria Jimenez. Vor allem, wenn er schneller als jeder andere über die schwierigsten Berge fuhr.

Jetzt hat sein Körper einfach aufgegeben.

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