Sport : König ohne Königreich

Kenny Dalglish verliert zum Auftakt mit Liverpool

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Erstes Spiel, erste Niederlage. Liverpools neuer, alter Trainer Kenny Dalglish beim Spiel in Manchester. Foto: Reuters
Erstes Spiel, erste Niederlage. Liverpools neuer, alter Trainer Kenny Dalglish beim Spiel in Manchester. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Kenny Dalglish war selbst auf hoher See, als ihn am Freitagabend der SOS-Hilferuf aus der Heimat ereilte. „Save our season“, rette unsere Saison, baten die amerikanischen Eigentümer des FC Liverpool den 59-Jährigen. Dalglish zögerte keine Sekunde, als Interimstrainer bis zum Ende der Spielzeit einzuspringen; schwierig gestaltete sich auf seinem Kreuzschiff im Persischen Golf nur die Datenübertragung. Es dauerte bis drei Uhr früh, bis der erfolgreichste Spieler in der Geschichte der Reds (sieben Meisterschaften, drei Europapokalsiege) auf dem Vergnügungsdampfer ein Faxgerät für das Vertragswerk auftreiben konnte.

„Ich bin ekstatisch, dass ich den Posten bekommen habe“, sagte der Schotte nach seiner Ankunft im Nordwesten der Insel am Samstagabend. „Schade ist nur, dass so ein anständiger Mann unter diesen Umständen seinen Job verlieren musste.“ Gemeint war Roy Hodgson, 63, der ein paar Stunden zuvor „im gegenseitigen Einvernehmen“, so die Mitteilung des Klubs, von seinen Aufgaben entbunden worden war. Hodgson hatte Liverpool mit zum Großteil unsäglichem Fußball nur zu 12 Siegen in 29 Spielen geführt und dazu auch die Unterstützung der eigenen Fans verloren. „Kenny Dalglish, Kenny Dalglish!“, hatten die Zuschauer zuletzt immer lauter geschrien. Der Traum der Anhänger ging rechtzeitig vor dem Spitzenspiel bei Manchester United im FA-Pokal am Sonntag in Erfüllung.

„King Kenny kehrt zurück“, stand auf einem Banner in der Liverpooler Fankurve, in den Internetforen und Radiosendungen herrschte eine quasireligiöse Erwartung. Dalglish, Lichtgestalt der Reds, war vor knapp 20 Jahren stressbedingt als Trainer an der Anfield Road zurückgetreten, in seine sechsjährige Amtszeit fielen die Katastrophen von Heysel und Hillsborough, aber auch drei Meisterschaften. 1995 gewann er auch mit Blackburn den Titel, seine Engagements in Newcastle (97/98) und Celtic (2000) waren weniger erfolgreich. Dalglish blieb seinem alten Klub als Botschafter verbunden und wäre im Sommer gerne Nachfolger von Rafael Benitez geworden. An der Mersey entschied man sich jedoch für die vermeintlich sichere Option Hodgson. Dalglish soll nun die Situation beim Tabellenzwölften stabilisieren, bis Sportdirektor Damien Comolli im Sommer einen Nachfolger mit Perspektive präsentiert. In der engeren Auswahl sollen neben Owen Coyle (Bolton) und Didier Deschamps (Marseille) auch die deutschen Trainer Ralf Rangnick und Jürgen Klopp stehen.

Wie beschwerlich die Wiederherstellung des Spitzenklubs sein wird, wurde gestern beim 0:1 (0:1) in Old Trafford ersichtlich. Bereits in der zweiten Spielminute bot der tollpatschige Verteidiger Daniel Agger Dimitar Berbatow mit einem überflüssigen Tackle im Strafraum die Gelegenheit, Bodenkontakt zu suchen. Schiedsrichter Howard Webb, dem die Queen für die Leitung des WM-Finales einen Orden verliehen hat, entschied auf Elfmeter, Ryan Giggs verwandelte sicher. Liverpool erholte sich von dem Schock und spielte recht ansehnlich, bis Kapitän Steven Gerrard nach einer halben Stunde beidbeinig in Richtung Ball und Michael Carrick rauschte und die Rote Karte sah.

United verwaltete danach das Ergebnis; Pepe Reina im Tor der Gäste verhinderte mit zahlreichen Paraden in der zweiten Hälfte eine höhere Niederlage. Dalglish zog nach dem Aus gegen den Erzfeind traurig von dannen. Sein Königreich ist in den zwei Jahrzehnten seit seinem Abgang doch merklich kleiner geworden.

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