Sport : König Thomas

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Stefan Hermanns über den neuen Bremer Meistertrainer

Vor zwei Wochen hat Thomas Schaaf sich mit Otto Rehhagel zu einem großen Interview für eine Sportzeitschrift getroffen. Es spricht für Schaaf, den Trainer von Werder Bremen, dass er sich darauf eingelassen hat. Rehhagel, der den modernen SV Werder erfunden hat, ist in Bremen immer noch eine Art Überfigur. Unter seinem erfolgreichen Wirken bei Werder haben bisher alle seine Nachfolger leiden müssen. Auch Schaaf.

Seit fünf Jahren ist Schaaf im Amt. Er hat in dieser Zeit den Pokal gewonnen, jetzt die Meisterschaft, und doch ist sein Wirken immer nur in Bezug auf Rehhagel gesehen worden. Am Anfang war er sein Schüler, später hieß es vereinfachend, Schaaf sei wie Rehhagel. Dass es solche Vergleiche zuletzt nur noch selten gegeben hat, ist ein Zeichen dafür, dass Schaaf immer mehr als eigenständiger Trainer gesehen wird. Und das zu Recht.

Schaaf hat seinen eigenen Stil gefunden, auf dem Platz und auch daneben. Zwei Tage vor dem Spiel in München hat er fünf Stunden lang Interviews gegeben; Rehhagel hingegen führte selbst in der beschaulichen Medienlandschaft Bremen seinen Kleinkrieg mit der Presse. In sportlichen Fragen akzeptierte König Otto keine anderen Meinungen als seine eigene; Schaaf aber arbeitet sehr eng mit Manager Klaus Allofs zusammen, zum Nutzen des Vereins. Und während Rehhagel in taktischer Hinsicht vor allem den eher schlichten Wahrheiten folgt, spielt Schaafs Mannschaft modern und äußerst ansehnlich.

Erfolgreich waren und sind beide Trainer auf ihre Weise. Doch als Rehhagel so alt war wie Schaaf jetzt, war er schon dreimal entlassen worden. Und die Meisterschaft hatte er auch noch nicht gewonnen.

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