Sport : König von Hohenschönhausen

Olaf Kölzig trainiert erstmals mit den Eisbären und beschert dem Klub ungewöhnlich großes Interesse

Claus Vetter

Berlin - Der Kölzig ist da. Nicht der König. Obwohl sich das denken ließe, bei den vielen Menschen, die den Donnerstagmorgen im Sportforum Hohenschönhausen verbringen. Das Interesse der Zuschauer gilt allein einem der beiden Torhüter auf der Eisfläche. Der Mann ist groß, durchtrainiert, wehrt einen Schuss nach dem anderem ab und ist erst Mittwoch nach interkontinentalem Flug in Berlin gelandet: Er heißt Olaf Kölzig und ist für die Eisbären aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eine Verstärkung von hohem Rang. Schon wenige Minuten, nachdem bekannt wurde, dass der deutsche Nationaltorhüter von den Washington Capitals nach Berlin kommt, gingen erste Bestellungen für das Eisbären-Trikot mit der Nummer 40 an.

Das Trikot wird Kölzig heute beim Spiel der Berliner gegen Kassel (19.30 Uhr, Sportforum) noch nicht tragen. Zu groß ist der Trainingsrückstand. Seit September hat er nicht gespielt, hat vergebens darauf gewartet, dass in der National Hockey League (NHL) die Stadien öffnen. Nachdem eine Einigung zwischen Spielergewerkschaft und Klubeignern nicht in Sicht ist, hat er sich entschlossen, nach Deutschland zu wechseln.

Das erste Training absolviert Kölzig mit Bravour. „Der ist fit, der braucht nicht lange“, sagt Steve Walker. Der Eisbären-Kapitän ist begeistert von Kölzig, der in der NHL mit über sechs Millionen Dollar Jahresgage bisher allein mehr Geld verdient hat, als Walker und seine Berliner Kollegen zusammen. Walker sagt: „Der macht uns besser.“ Am Donnerstag macht es den Eindruck. Trainer Pierre Pagé stellt fest, dass seine Spieler „unglaublich motiviert sind“.

Olaf Kölzig ist erst mal unglaublich fertig, als er das Eis verlässt, sagt er im Scherz. „Ich habe meine Lunge in Amerika gelassen.“ Dann schaut er nach rechts, dann nach links. „Aha.“ Da ist die neue Kabine. Na also. Klappt ja. Und es klappt auch mit den vielen Fragen, die ihm nach dem Umziehen gestellt werden. Schließlich ist Kölzig ja „Profi“, wie Pagé an diesem Tag nicht nur einmal sagt. Was also motiviert einen NHL-Star zu den Eisbären zu wechseln? „In der NHL wird so bald nicht gespielt“, sagt Kölzig. „Ein paar Monate Pause waren nicht schlecht. Dann wurde ich nervös, merkte, dass ich spielen muss.“ Dann waren die Eisbären erste Wahl. Weil „Usti“, sein Freund Stefan Ustorf da spielt.

Olaf Kölzig ist freundlich, Fragen auf Deutsch, Antworten auf Englisch. Der in Südafrika geborene 34-Jährige versteht aber alles, was in der Sprache seiner Eltern gesagt wird. Deutsches Lieblingsgericht? „Schweinebraten mit Spätzle und Jägersoße.“ Wunderbar, wäre auch das geklärt. Der Rest ist einfach: Kölzig sagt, dass er mit den Eisbären Meister werden will und mit der Nationalmannschaft, zu der er bereits am Sonnabend für einige Testspiele reist, im Mai Weltmeister. „Obwohl ich ja nicht daran glaube, aber Wunder gibt es ja immer wieder.“

Kein Wunder wäre es, wenn ein so populärer Torhüter den Berlinern verstärkte Popularität beschert. Bereits gestern wurden 200 Fantrikots mit dem Namen von Kölzig ausgestattet. Nach dem heutigen Spiel werden sie wohl ausverkauft sein. Königlicher Umsatz mit Kölzig ist den Eisbären schon mal garantiert.

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