Sport : Könige des Dramas

Der FC Bayern schafft in der letzten Sekunde der Verlängerung ein 3:3 in Getafe und zieht ins Uefa-Cup-Halbfinale ein

Getafe - Oliver Kahn liebt diese Spiele. Sein FC Bayern hatte zurückgelegen, sich in die Verlängerung gerettet, zwei weitere Tore kassiert, immer weitergemacht, und dann am Schluss – doch noch mit dem letzten Schuss ausgeglichen. In letzter Sekunde wendeten die Bayern nicht nur das Ausscheiden aus dem Uefa-Pokal ab, auch Oliver Kahn darf noch mindestens zweimal auf internationaler Bühne spielen. In einem hochdramatischen Spiel qualifizierten sich die Münchner beim FC Getafe durch ein 3:3 (0:1, 1:1) nach Verlängerung für das Halbfinale. Kahn darf weiter davon träumen, sich beim Finale in Manchester mit einem Pokal zu verabschieden.

Das 1:1 im Hinspiel durch Cosmin Contras späten Treffer hatte den Bayern eine unangenehme Ausgangslage beschert. Nun musste der erklärte Favorit auf den Uefa-Pokal mindestens ein Tor schießen, um nicht einen der drei angestrebten Titel schon im Viertelfinale zu verpassen. Vor 16 000 Zuschauern im erst zum zweiten Mal in seiner Geschichte ausverkauften Stadion „Coliseum Alfonso Perez“ hatte Trainer Ottmar Hitzfeld Miroslav Klose wieder für Lukas Podolski in die Anfangself gestellt. Die Maßnahme zahlte sich schon nach fünf Minuten aus. Nach langem Abschlag von Kahn und Kopfballverlängerung von Luca Toni strebte Klose dem gegnerischen Tor entgegen, als ihn Ruben de la Red kurz vor dem Strafraum zu Fall brachte. Zum Entsetzen der Spanier zog Schiedsrichter Massimo Busacca aus der Schweiz die Rote Karte, obwohl sich ein weiterer Getafe-Spieler noch in der Nähe des Balls befunden hatte und das Foul alles andere als eindeutig gewesen war. Den folgenden Freistoß schlenzte Franck Ribéry an den Pfosten, Luca Toni verwandelte den Nachschuss. Allerdings hatte der Italiener zuvor den Ball mit Hilfe der Hand gestoppt, das Tor zählte nicht.

In der Folge erhöhten die Münchner den Druck auf den engagiert und geschickt verteidigenden Außenseiter. Demichelis und Lell vergaben Chancen, nachdem sich Getafes Torwart Abbondanzieri bei Flanken verschätzt hatte. Kurz vor der Pause geschah das, was die Bayern unter allen Umständen verhindern wollten. Die Münchner spielten am gegnerischen Strafraum einen Fehlpass, Cosmin Contra kam an den Ball und marschierte kraftvoll die rechte Außenlinie entlang. Geschickt schlüpfte der Rumäne zwischen den zögerlichen van Bommel und Demichelis hindurch und drosch den Ball aus 15 Metern am chancenlosen Kahn vorbei unter die Latte.

Nach dem Wechsel waren nur drei Minuten gespielt, als Luca Toni erneut traf – und das Tor wieder nicht gegeben wurde. Er hatte seinen bulligen Körper nach einer Freistoßflanke im Zweikampf regelwidrig eingesetzt. Wenig später rutsche Schweinsteiger hauchdünn an einer flachen Hereingabe vorbei, Klose stoppte einen Ball technisch perfekt mit der Brust, um ihn dann in Rücklage über die Latte zu jagen. Auf der Gegenseite vergab Braulio nach knapp 70 Minuten bei einem Konter die Riesenchance zur Entscheidung. Der eingewechselte Stürmer hatte den herausstürzenden Kahn schon fast umkurvt, als er ausrutschte und nicht mehr zum Schuss kam. Hitzfeld brachte Podolski und Sosa für Schweinsteiger und Zé Roberto, Bayern drückte, aber das Tor wollte nicht fallen. Bis zur 89. Minute: Van Bommel lupfte in den Strafraum, über Toni kam der Ball irgendwie zu Franck Ribéry, der sein Team mit einem trockenen Volleyschuss in die Verlängerung rettete.

Zwei Blitztore der Spanier erstickten jeden Jubel der Bayern, die in der Verlängerung schon gar nicht mehr an das Weiterkommen zu glauben schienen. Fünf Minuten vor dem Abpiff konnte Toni noch einmal höchst glücklich verkürzen, nachdem Getafes Torwart ihm einen schon sicher geglaubten Ball vor die Füße fallen ließ. Als Kahn selbst nach vorne in den gegnerischen Strafraum stürmte, um zu treffen, erlöste Toni mit dem 3:3-Ausgleich die Bayern. Tsp

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