Sport : Königliche pöbeln nicht

Real Madrids Präsident Florentino Perez weist Trainer José Mourinho zurecht

Wehleidig oder benachteiligt? José Mourinho hat sich wieder beschwert. Foto: AFP
Wehleidig oder benachteiligt? José Mourinho hat sich wieder beschwert. Foto: AFPFoto: AFP

Madrid - Es hat schon glücklichere Aktionen gegeben von José Mourinho. Seine Schiedsrichterschelte vom vergangenen Wochenende erzürnte nicht nur die Unparteiischen und Trainer in Spanien. Auch die eigene Vereinsführung brachte der Trainer von Real Madrid gegen sich auf. Der mächtige Klubchef Florentino Pérez wies ihn vor dem Pokalspiel am Mittwoch gegen UD Levante (nach Redaktionsschluss beendet) zurecht. „Es ist in unserem Verein üblich, dass wir uns nicht über die Schiedsrichter äußern“, sagte der Real-Präsident.

Nach dem hart erkämpften 1:0-Sieg der Madrilenen über den FC Sevilla hatte der Portugiese eine Liste mit 13 gravierenden Fehlentscheidungen des Schiedsrichters vorgelegt, die sein Team benachteiligt haben sollen. So manches Mitglied der Real-Führung rümpfte angesichts der mit großer Theatralik vorgetragenen Show die Nase. Aber Mourinho ließ es dabei nicht bewenden und griff auch Real Madrid an: „Ich will, dass der Klub mein Team verteidigt.“ Er wolle nicht immer allein den Kopf hinhalten müssen. Damit meinte er den Generaldirektor Jorge Valdano und warf dem Argentinier indirekt Untätigkeit vor.

Klubchef Perez wiederum sprang nun seinem Sportdirektor bei. „Valdano ist der Sprecher des Vereins“, betonte er: „Er hat gesagt, was zu sagen war.“ Reals Präsident hatte am Vortag bei einem Weihnachtsessen versucht, die Wogen zu glätten. Aber der Klub konnte nach den Äußerungen des Trainers nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, als wäre nichts geschehen. Denn es offenbart sich ein Graben in der sportlichen Führung. „Mourinho und Valdano können sich nicht ausstehen“, titelte das Sportblatt „Marca“ unlängst.

Mourinho und Valdano stehen auch für zwei unterschiedliche Stile. Während der Portugiese mit allen Mitteln den Erfolg sucht und notfalls auch provoziert oder pöbelt, pflegt der Argentinier die vornehme und zurückhaltende Art eines Gentlemans, wie sie eigentlich auch zum Selbstverständnis des 108 Jahre alten Vereins gehört. Szenen wie beim Spiel gegen Sevilla sind nach dem Verständnis Valdanos mit dem Image des Klubs nicht vereinbar. Ein Assistent von José Mourinho hatte in der Hektik Reals 74 Jahre alten Vereinsdelegierten Agustin Herrerin zu Boden geschlagen, der einen Streit zwischen Betreuern beider Teams schlichten wollte.

Mourinhos spanische Trainer-Kollegen reagierten mit Unverständnis auf die Schiedsrichterschelte des bestbezahlten Trainers der Welt. „Ich bin sicher, der FC Sevilla könnte eine Liste mit 20 Fehlern des Unparteiischen präsentieren“, sagte Joaquin Caparros von Athletic Bilbao. Unai Emery, Trainer des FC Valencia, meinte, Mourinho verhalte sich wie eine „Heulsuse“. Und Barcelonas Spieler- und Trainerlegende Johan Cruyff betonte: „Ein großer Trainer muss auch Werte vermitteln. Mourinho fehlt es an Seriosität.“

Die Zeitung „El Pais“ meinte, der Coach von Real Madrid habe die eindrucksvolle 0:5-Pleite vor drei Wochen beim FC Barcelona noch nicht verdaut. „Der Diven-Status des Trainers ist stark angekratzt. Mit dem Geschwätz von einer vermeintlichen Verschwörung der Schiedsrichter will er nur von den eigentlichen Problemen ablenken.“ Tsp/dpa

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