Sport : Königsetappe im Bundestag

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Von Robert Ide

Berlin. Eigentlich waren die Sportpolitiker des Bundestages in Feierstimmung. Gerade hatten sie die letzte Sitzung des Sportausschusses hinter sich gebracht, hatten sich noch einmal über den Umfang der Sportförderung gestritten und sich gegenseitig gute oder schlechte Arbeit bescheinigt. Anlass war der zehnte Sportbericht der Bundesregierung, die erste Sportbilanz von Rot-Grün. Nach der zweistündigen Sitzung spendierte am Mittwochnachmittag der Vorsitzende des Ausschusses, der Sozialdemokrat Friedhelm Julius Beucher, noch ein Bier zum Abschied aus der Legislaturperiode. Kurze Zeit später war die Feierstimmung vorbei.

Die Nachricht von der positiven Dopingprobe des Radprofis Jan Ullrich erschüttert auch die deutsche Sportpolitik. „Das wäre eine Katastrophe für den deutschen Radsport“, sagte Beucher am Abend, „vor allem für die Glaubwürdigkeit.“ Auch im für Sport zuständigen Innenministerium von Otto Schily (SPD) wurde die Nachricht mit Bestürzung aufgenommen. „Das ist ein weiterer Baustein dazu, dass wir die Kontrollen weiter verstärken müssen“, sagte Schilys Staatssekretärin Brigitte Zypries dem Tagesspiegel. Für ein neues Anti-Doping-Gesetz, mit dem der Besitz von Dopingmitteln strafbar gemacht werden könnte, wollte Zypries allerdings nicht plädieren. Neue Gesetze würden nicht zwangsläufig den sportlichen Betrug eindämmen. „Mord steht seit mehr als 100 Jahren im Strafgesetzbuch, und trotzdem gibt es weiterhin Morde“, sagte Zypries. Nach dem Arzneimittelgesetz ist die Verabreichung von Dopingmitteln inzwischen strafbar. Die Staatsanwaltschaften der Bundesländer können diesen Straftatbestand verfolgen. Das Innenministerium hatte eine Prüfung des veränderten Arzneimittelgesetzes bei den Bundesländern in Auftrag gegeben, allerdings haben bislang noch nicht alle Länder geantwortet.

Im Parlament gehen die Meinungen über ein Anti-Doping-Gesetz auseinander. Das zeigte sich auch am Mittwoch. So forderte der Sportpolitiker der Grünen, Winfried Hermann, eine neue Regelung. „Wir brauchen ein neues Gesetz, um den Sport vor Betrug zu schützen“, meinte Hermann. Unterstützt wurde er von seiner sozialdemokratischen Kollegin Dagmar Freitag. „Ihr Innenminister Schily will das aber nicht“, spottete der CDU-Sportpolitiker Klaus Riegert. Die Parlamentarier wollen nach der Wahl einen neuen Versuch für ein Anti-Doping-Gesetz starten. Die CDU ist dagegen. Riegert verlangte lediglich „mehr Kontrollen, einheitliche Sanktionen und mehr Forschung“.

Immerhin in die Wege geleitet ist die Etablierung einer Nationalen Doping-Agentur (Nada). Mit der Agentur, die am 15. Juli gegründet wird, sollen Trainingskontrollen finanziert und Anti-Doping-Forschung betrieben werden. Die Regierungsparteien hielten sich bei der Sitzung des Sportausschusses den Aufbau des Instituts zugute und verwiesen auf die Anschubfinanzierung des Bundes in Höhe von 5,1 Millionen Euro. Die Opposition kritisierte, dass zunächst vom dreifachen Betrag die Rede gewesen sei.

Auch bei der Entschädigung der DDR-Dopingopfer habe man sich mehr Mittel erhofft, kritisierte Klaus Kinkel von der FDP. Für Geschädigte des staatlichen Dopingsystems in der DDR wird derzeit ein Hilfsfonds mit zwei Millionen Euro Kapital eingerichtet. Die Opposition und zunächst auch die Grünen hatten einen Pauschalbetrag von 5000 Euro pro Person gefordert. Bei etwa 1000 Antragstellern, von denen Experten ausgehen, würden dafür fünf Millionen Euro fällig. Auf Druck der SPD stimmten die Grünen dem Gesetzentwurf zu. „Wir werden die Entwicklung beobachten“, sagte Freitag.

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