Königsklasse : Nico Hülkenberg: Praktikant am Steuer

Der nächste Deutsche drängt in die Formel 1: Der 22-jährige Nico Hülkenberg fährt künftig für Williams.

Christian Hönicke
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Zaungast. Nico Hülkenberg fuhr seit 2008 als Testfahrer für Williams. Foto: dpaEFE

BerlinBerlin - Es wurde angestoßen im Fahrerlager von Monza, mit Büchsenbier und Schampus aus Plastikbechern. „Aber betrunken war ich nicht!“, beteuert Nico Hülkenberg. Gründe für ein zünftiges Gelage mit erhöhtem Alkoholgehalt hätte er freilich genügend gehabt. Zum einen hatte der 22-Jährige soeben die Nachwuchsrennserie GP2 gewonnen. Zum anderen wusste er schon zu diesem Zeitpunkt Mitte September, was erst in dieser Woche offiziell verkündet wurde: Nico Hülkenberg wird in der kommenden Saison in der Formel 1 an den Start gehen. Der englische Rennstall Williams, für den der Emmericher bereits seit 2008 als Testfahrer zum Einsatz kam, hat mit ihm einen Vertrag als Stammfahrer für die Saison 2010 abgeschlossen. Hülkenberg wird seinen Landsmann Nico Rosberg ersetzen, der Williams nach drei Jahren verlassen hat, und künftig an der Seite des WM-Dritten Rubens Barrichello fahren. „Williams ist genau das richtige Team für einen Neuling“, sagt Hülkenbergs Manager Willi Weber, „da kann er sich richtig gut entwickeln. Außerdem kennt er die Menschen da schon.“

Hülkenbergs Formel-1-Einstieg hatte Weber ursprünglich schon zur Saison 2008 angekündigt. Nun hat es zwei Jahre länger gedauert, aber „so konnte er in der GP2 zeigen, welches Talent er wirklich hat“. Das tat Hülkenberg eindrucksvoll: Wie schon in der A1GP und in der Formel-3-Euroserie schaffte er es in der Formel-1-Talentschmiede GP2, als Neuling den Titel zu holen. Dass ihm das in der Formel 1 kaum gelingen wird, ist dem hemdsärmeligen und bodenständigen Niederrheiner allerdings auch klar. „Eigentlich ist es nur ein kleiner Schritt von der GP 2 in die Formel 1, aber irgendwie doch etwas völlig Neues“, sagt er. „Was ich konkret erreichen kann, ist schwer vorauszusagen. Ein 15. Platz oder so was sind aber nicht meine Ansprüche.“ Stattdessen erwartet er von sich selbst in seiner ersten Grand-Prix-Saison: „Konstant gute Leistungen, oft in die Punkte, Podium wäre super.“ Willi Weber ist sich sicher: „So zielstrebig, wie der Nico ist, wird er einige Highlights setzen.“

Darauf bereitet sich der Nachwuchsfahrer derzeit mit einem Fitnessprogramm vor – notgedrungen. Durch das allgemeine Testverbot in der Formel 1 hat Hülkenberg in diesem Jahr nämlich nur noch drei der sogenannten „Young Driver Days“ Anfang Dezember in Jerez/Spanien zur Verfügung, um sich mit seinem neuen Dienstwagen vertraut zu machen. „Fahren kann ich sonst nur im Simulator, das ist so eine Art Computerspiel. Das ist ganz hilfreich – natürlich nicht die Realität, aber besser als gar nichts.“ Der Simulator steht in der Williams-Fabrik südlich von Oxford. Seit Januar hat auch Hülkenberg dort ein kleines Appartement als Zweitwohnsitz, um näher beim Team zu sein. „Wenn ich in England bin, gehe ich jeden Tag in die Fabrik“, erzählt Hülkenberg. „Ich mache da so eine Art Praktikum und durchlaufe alle Abteilungen.“

Nicht erst seit seinen Praktikantentagen vergleicht Willi Weber Hülkenberg in puncto Lernbereitschaft, Arbeitsethik und Ehrgeiz gern mit seinem berühmtesten Klienten, dem Rekordweltmeister Michael Schumacher. Ob der gelernte Speditionskaufmann Hülkenberg auch einmal Weltmeister wird, will der sonst recht forsche Weber aber nicht voraussagen: „Das ist ja nicht nur abhängig vom Fahrer, sondern auch vom Material, das er zur Verfügung hat.“ Jetzt solle Hülkenberg erst einmal richtig in der Formel 1 ankommen, „und in fünf Jahren sitzt er dann hoffentlich im besten Auto, das es gibt“.

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