Köpenicker SC : Bis zur letzten Spielerin

Zum ersten Saisonspiel in der Volleyball-Bundesliga der Frauen bei Bayer Leverkusen reist der Köpenicker SC gerade mal mit sieben Spielerinnen - mehr hat der Verein zur Zeit auch gar nicht zur Verfügung.

Karsten Doneck

Die beste Spielerin, Saskia Hippe, verschwand zum Dresdner SC. Trainer Alberto Salomoni, unter dem sich die junge Mannschaft prächtig entwickelt hatte, machte von einer Ausstiegsklausel Gebrauch, er kehrte heim nach Italien. Und als für die neue Saison ein Mannschaftsfoto angefertigt werden sollte, musste die Aktion kurzfristig abgeblasen werden. Zwei Spielerinnen plagte ein Magen-Darm-Virus, Diagonalspielerin Michaela Sabrowske hätte sich nach einer Schulteroperation nur mit Gips ablichten lassen können. Somit hätte dann nur noch ein Mini-Aufgebot von fünf Spielerinnen ins Kameraobjektiv gelächelt. Derlei große und kleine Widrigkeiten können die Bundesliga-Volleyballerinnen des Köpenicker SC nicht mehr erschüttern. „Es macht doch die Aufgabe gerade interessant, wenn man in einem nicht ganz so perfekten Umfeld arbeitet“, sagt Matthias Münz, der neue Trainer der Köpenickerinnen.

Am Samstag startet die neue Bundesliga-Saison. Köpenick tritt bei Bayer Leverkusen an. Für die Reise dorthin braucht der Verein nicht mal einen Kleinbus zu chartern, zwei Pkw reichen. Münz stehen derzeit nur sieben gesunde Spielerinnen zur Verfügung: Sechs spielen, eine ist Ersatz. „Man muss hier viel improvisieren“, lautet eine der Erkenntnisse von Münz. In die gemeinsamen Übungsstunden mal eben ein Trainingsspielchen einzuflechten, war mangels Masse bisher nicht möglich. Er habe mit dem wenigen Personal „viel im technischen Bereich gemacht“, erzählt Münz.


Drei Südamerikanerinnen sollen noch kommen

Immerhin ist eine Entspannung der Personalmisere in Sicht. Michaela Sabrowske fällt zwar mindestens noch vier Wochen aus, aber der Verein hat drei Südamerikanerinnen angeheuert: Sabrina Soares und Karina Ferreira aus Brasilien sowie die Kolumbianerin Lorena Zuleta. Keine Verpflichtung ohne Probleme: Die Erteilung der Visa und Arbeitsgenehmigungen zieht sich in die Länge. Die Spielerinnen werden tagtäglich in Berlin erwartet – tagtäglich vergebens.

Der personelle Misstand hat auch mit der Finanzlage zu tun. Der Klub muss sich mit einem Etat von etwas mehr als 200 000 Euro begnügen. Ambitioniertere Klubs wirtschaften mit mehr als dem dreifachen Betrag. Dass Saskia Hippe ging, war auch deshalb unvermeidbar. Hippe spielte seit ihrem neunten Lebensjahr beim KSC Volleyball, als 17-Jährige schaffte sie den Sprung in die A-Nationalmannschaft. Ihr Wechsel nach Dresden geschah auch auf Anraten von Bundestrainer Giovanni Guidetti, der für sie bei einem Spitzenklub der Bundesliga einfach die besseren Entwicklungsmöglichkeiten sah. „Der nächste Schritt steht doch auch schon fest. Irgendwann wird sie nach Italien wechseln“, prognostiziert KSC-Sprecher Klaus Sieckmann.

Der so optimistisch allen Misslichkeiten trotzende Matthias Münz hegt derweil nur noch einen innigen Wunsch. „Es darf sich jetzt auf keinen Fall noch irgendjemand bei uns verletzen“, sagt er.

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