Sport : Köstner will Daum trotz Freundschaft nichts schenken

Der Leisetreter und der Lautsprecher kennen sich schon lange. Sie haben zusammen 1992 mit dem VfB Stuttgart die Deutsche Fußball-Meisterschaft gewonnen und sind sogar Freunde geworden. Doch am Sonnabend will Unterhachings Trainer Lorenz-Günther Köstner seinem Leverkusener Kollegen Christoph Daum keinesfalls den Titel schenken.

Ein Punkt würde Bayer am letzten Spieltag der Bundesliga genügen, um die Meisterschale zum ersten Mal zu gewinnen. Köstner und seine Münchner Vorstadt-Truppe könnten indes mit einem Sieg in ihrer "Festung Sportpark" dem großen Lokalkonkurrenten FC Bayern den Weg zum Titel ebnen.

"Trotz aller Freundschaft - wir wollen unbedingt gewinnen. Bayer kann sicher sein, dass meine Jungs alles geben, um sich noch mal eine Siegprämie zu verdienen. Denn allzu üppig sind unsere Gehälter ja nicht", sagt Köstner, stellt aber auch klar: "Unsere Motivation ist ein guter Saisonausklang, sonst nichts. Wir helfen nicht den Bayern, nur uns selbst. Die Bayern müssen sich selbst zum Meister machen."

Zusätzlichen Leistungsanreizen - egal, von wem - kann Köstner überhaupt nichts abgewinnen. "Ob Weißwürste oder Weißbier, davon hängt unsere Einsatzbereitschaft bestimmt nicht ab. Auch mit Asprin kann uns keiner locken. Das kaufen wir auch weiterhin ordnungsgemäß in der Apotheke", meinte der Unterhachinger Coach und lächelt.

Vor neun Jahren lernten sich Köstner und Daum kennen: Der Lautsprecher der Liga machte als Cheftrainer beim VfB Stuttgart den ruhigen Franken zu seinem Assistenten, ein Jahr später feierten sie gemeinsam den Gewinn der Meisterschaft. Der große Coup gelang durch einen 2:1-Sieg - bei Bayer Leverkusen. Und noch heute trifft sich das Erfolgsduo gelegentlich privat zu einem Fläschchen Rotwein. Der Dritte im Bunde, der den VfB nach oben brachte, war damals übrigens Manager Dieter Hoeneß, inzwischen in dieser Funktion bei Hertha BSC tätig.

Immer wieder hat Daum seinen früheren Assistenten öffentlich gelobt. Und auch Köstner zollt Daum höchste Anerkennung: "Er spielt das Medienklavier wie kein anderer. Ich habe ihn aber auch von einer anderen Seite kennengelernt. Er ist ein sehr akribischer Arbeiter", sagt Köstner.

Seine Schützlinge, die zu Hause bisher nur gegen die Bayern und den 1. FC Kaiserslautern verloren haben, lassen sich von den persönlichen Beziehungen ihres Trainers indes nicht beeinflussen. "Es geht nicht darum, für irgendeinen zu spielen, wir wollen für uns ein gutes Spiel machen. Wenn wir den FC Bayern zum Deutschen Meister machen, ist das ein schöner Nebenfeffekt. Wir genießen den Rummel", meint Kapitän Matthias Zimmermann.

Die Münchner Bayern wissen vom guten Verhältnis der beiden - betrachten es mit Argwohn: "Köstner ist ein Freund von Daum. Ich hoffe nicht, dass der Draht glüht", sagt Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld. Aber das beschäftigt die Bayern nur am Rande: Der Rekordmeister und DFB-Pokalsieger muss sich zunächst einmal auf seine Partie im Olympiastadion gegen Werder Bremen konzentrieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar