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Kollision bei der Tour de France : Spitzenreiter Froome muss den Berg hochlaufen

Chris Froome schien nach seinem Sturz auf dem Mont Ventoux das Gelbe Trikot verloren zu haben. Die Jury entschied: Er darf es behalten.

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Bergläufer. Froome versucht, auf zwei Füßen Anschluss zu halten.
Bergläufer. Froome versucht, auf zwei Füßen Anschluss zu halten.Foto: REUTERS

Das Gelbe Trikot läuft den Berg hoch. So etwas hat man bei einer Tour de France noch nicht gesehen. Der Brite Chris Froome , der die zwölfte Etappe der Tour de France bis etwa zwei Kilometer vor dem Ziel sportlich dominiert hatte, verschwand plötzlich in einem Pulk von Zuschauern. Mit ihm der Niederländer Bauke Mollema und der Australier Richie Porte. Als sich der Trubel etwas gelegt hatte, war nur noch Mollema auf dem Rad. Froome und Porte hingegen standen unsicher auf ihren Füßen. Alle drei waren durch ein Begleitmotorrad zu Fall gekommen. Das Motorrad musste wegen einer Menschenmenge anhalten. Tourorganisator ASO hatte die Etappe wegen starker Winde auf dem Mont Ventoux kurzfristig um sechs Kilometer verkürzt. Offenbar reichte die Zeit nicht mehr, genug Absperrungen vom Gipfel herunterzutransportieren. Während es nach dem Ziel noch mehrere Kilometer Metallzäune gab, fehlten sie auf der Tourstrecke, um die wie entfesselt jubelnden Fans im Zaum zu halten. Eindeutig ein Fehler der Organisatoren.

Das erste Ersatzrad für Froome war zu klein

Während sich in all diesem Chaos Mollema sein Rad nehmen konnte und so schnell wie möglich dem Ziel entgegeneilte, blickte Froome nur auf ein zerbrochenes Arbeitsgerät. „Das Motorrad hinter uns fuhr drüber und zerbrach es dabei. Ich dachte: ,Ich habe kein Rad mehr!’ Und ich wusste, dass der Begleitwagen mit einem Ersatzrad fünf Minuten hinter uns war. Deshalb fing ich an zu rennen“, beschrieb Froome die Situation. Besonders schnell und elegant bewegte er sich nicht, aber er baute wenigstens etwas Adrenalin ab. Und nach einiger Zeit schloss der neutrale Materialwagen zu ihm auf. In schönstem Gelb immerhin, leider aber war das Ersatzrad viel zu klein. Nur einige Meter kam Froome vorwärts, ehe er wieder abstieg. Von hinten nahte jetzt wenigstens der Materialwagen von Sky. Ab der 400-Meter-Marke konnte Froome auf seinem Zweitrad die Etappe beenden.

Dort hatte er 6 Minuten und 45 Sekunden Rückstand auf den Tagessieger Thomas de Gendt. Der Belgier hatte sich aus einer Ausreißergruppe heraus durchgesetzt. Froome kam allerdings auch 1:21 Minuten hinter seinem wichtigsten Rivalen Nairo Quintana an, den er eigentlich schon abgehängt hatte. Vor dem Sturz, in einem prächtigen Bergduell. Zwei Mal hatte Quintana auf den unteren Schleifen des Mont Ventoux attackiert. Es wirkte halbherzig, wie ein Test. Froome setzte nicht einmal selbst hinterher, sondern ließ seinen Helfer Wout Poels den Job besorgen. An der Drei-Kilometer-Marke attackierte dann Froome. Erst folgten ihm Quintana und der Australier Ritchie Porte. Dann beschleunigte Froome noch einmal – Quintana musste passen.

Der Herausforderer war geschlagen. Nur Porte, Ex-Helfer von Froome und jetzt auf eigene Rechnung bei Team BMC fahrend, folgte. Mollema (Trek) schloss noch auf. Dann passierte der Unfall. Quintana und der Rest der Gruppe zogen an den unglücklichen Sturzopfern vorbei. Ans Anhalten dachte niemand. „Das ist Pech, aber solche Dinge passieren im Radsport. Sie sind aufs Motorrad aufgefahren und gestürzt. So etwas kommt vor“, meinte trocken der Spanier Alejandro Valverde, der seinen Kapitän Quintana an der Unfallstelle vorbeiführte.

Die Entscheidung der Jury ist fraglich

Die Jury allerdings machte sich Valverdes Meinung nicht zueigen. Sie entschied, Froome und Porte die Zeit von Mollema zu geben, dem Fluchtgefährten, der noch am besten aus dem Zusammenstoß herausgekommen war. Eine saubere rechtliche Deckung gibt es für die Entscheidung nicht. Zwar gibt es die Sturzregel, bei der ab drei Kilometern vor dem Ende alle Fahrer mit der Zeit der Gruppe gewertet werden, in der sie zu diesem Zeitpunkt waren, selbst wenn sie später noch zu Fall kommen. Die Regel gilt aber nur für Sprintetappen, nicht für den Aufstieg zum Mont Ventoux. Ob ein besonderer Fall wie dieser auch ein eigenes Recht nach sich ziehen muss, wird bis zum Ende dieser Tour heiß diskutiert werden.

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