Sport : Kollision mit Hund bei Tempo 280

Karin Sturm

Istanbul - Die mögliche Katastrophe hätte sich diesmal nicht vor einem weltweiten Millionen-Publikum abgespielt. Schließlich war es ja nur das GP2-Rennen, die Vorspeise sozusagen zum großen Formel-1-Event, in dem Bruno Senna, der Neffe des 1994 tödlich verunglückten Ayrton Senna, bei Tempo 280 in Istanbul mit einem auf die Strecke gelaufenen großen Hund kollidierte und noch Riesenglück im Unglück hatte, dass er bei dem Zwischenfall unverletzt davonkam. „Wenn ich das Tier nicht mit dem Rad, sondern mit dem Frontflügel erwischt hätte und es hoch geschleudert worden wäre gegen den Helm, dann hätte das auch ganz anders ausgehen können.“ Ein anderer Brasilianer, Cristiano da Matta, hat schon Ähnliches erlebt: Er lag vor zwei Jahren nach einem Crash mit einem Hirsch in Elkard Lake in der US-Indycar-Serie wochenlang im Koma.

Auch nach Sennas Crash streunten weitere Hunde über die Strecke bei Istanbul. Charlie Whiting, der Renndirektor des Automobil-Weltverbands (Fia), ordnete vor dem Start des Formel-1-Rennens immerhin weitere Sicherheitsmaßnahmen und Überprüfungen an der Strecke an.

Das ganze Wochenende über hatte es eklatante Sicherheitsmängel gegeben. Auch BMW-Pilot Nick Heidfeld sah – wie andere Beobachter – einige gefährliche Organisationsfehler: „Das fing damit an, dass am Freitagfrüh die Strecke durch dieses Reinigungsfahrzeug nass war. Dann war noch so ein Minivan auf der Strecke, als das erste GP2-Training begann und schließlich die Hunde.“

Schon am Samstag vor dem Freien Training der Formel 1 flimmerten Bilder von vergeblichen Versuchen eines Streckenpostens, so ein Tier einzufangen, über die Bildschirme. Noch erschreckender, was dann Fotografen am Sonntag berichteten: Bevor das Drama seinen Lauf nahm und der eine Hund Senna ins Auto lief, waren die beiden Tiere schon eine ganze Zeit in der Auslaufzone unterwegs gewesen – beobachtet von amüsierten Streckenposten. Gewarnt wurden offenbar weder die Rennleitung noch die Fahrer.

Die Vorfälle verfestigen das Bild, dass in letzter Zeit recht locker mit dem Thema Sicherheit umgegangen wird, in der trügerischen Sicherheit, dass ja schon lange nichts Gravierendes mehr passiert ist. In Melbourne stieg der Toyota von Timo Glock durch eine nicht geschlossene Bodenwelle wie eine Rakete auf, in Barcelona bohrte sich Heikki Kovalainens McLaren unter nicht richtig befestigte Reifenstapel. Von den drei Erstplatzierten in der Fahrer-WM sind Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton der Fahrergewerkschaft, die sich um Sicherheitsbelange kümmert, nie beigetreten, Felipe Massa ist gerade ausgetreten. Welche Konsequenzen die Vorfälle von Istanbul haben werden, ist ungewiss: Der Streckenbetreiber ist schließlich Formel-1-Imperator Bernie Ecclestone. Karin Sturm

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