Kolumne : Achtung! Spektakulär

Marcel Reif über den FC Bayern, der so viele Künstler beschäftigt, dass er sich nur selbst um den Erfolg bringen kann. Wie das geht, zeigte er gegen den 1. FC Nürnberg

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Marcel Reif Foto: dpa
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

38 Minuten dauerte die Gegenwehr, dann schien auch fürs erste die Nürnberger Burg geschleift zu sein. Olic setzte die Hacke ein, Gomez seinen Überblick und Müller seine erstaunliche Abgeklärtheit. Und so schien der FC Bayern von Sieg zu Sieg zu eilen, zumindest bis heute Abend mal wieder Tabellenführer zu sein und, Achtung!, jetzt kommt ein Wort, das mit dem FC Bayern eher nicht in Verbindung zu bringen war, spektakulär zu spielen.

Jahrelang, jahrzehntelang war den Münchnern durchaus zu Recht vorgeworfen worden, spaßfreien Fußball zu bieten. Dann kam auch noch ein Trainer, Louis van Gaal, dem nicht der Ruf vorauseilte, in der Tradition Rudi Carrells zu stehen. Und es ritt Robben in die Manege, in der doch schon Ribéry den Zampano gab, und nichts passte, keiner wusste, was denn der Plan war und ob es überhaupt einen gab. Entsprechend waren die Verwerfungen in der Hinrunde, kein Spaß und keine Ergebnisse, das ist auch für den FC Bayern zu viel der Ungemütlichkeiten.

Ich bleibe dabei, dann kam das Spiel in Turin, als die Mannschaft die Sache selber in die Hand nahm und sich emanzipierte vom Trainer und der sich lernfähig zeigte und seine Autokratie aufgab.

Als Trainer müsste man sich bekreuzigen, wie leichtfertig die Münchner in der Abwehr spielen (zu sehen beim Ausgleich durch den harmlosesten Angriff der Liga), als Fan jedoch kann man sich nur bedanken für die offensive Priorität. Die Mannschaft hat keine Balance, aber sie hat Spaß und sie macht Spaß. Beispiel: Lahm und Robben auf der rechten Seite. Gab es nicht mal eine Diskussion um Lahm als rechten Verteidiger? Jetzt zaubert Lahm mit Robben, dass der gestern verletzte Ribéry auf der linken Seite fast Eifersuchtsanfälle bekommt. Beispiel: Schweinsteiger, dessen Brust auf einmal wieder so breit ist, als sei er Ballack oder Effenberg.

Bleibt die Arroganz, die van Gaal seinem Team zuletzt vorhielt. War das nicht auch ein wenig hochnäsig, in Nürnberg zur zweiten Halbzeit auf Robben zu verzichten? Darf man ihn schonen, weil der Gegner nicht satisfaktionsfähig erscheint? Wir haben zuletzt stets gesagt, dass sich dieser FC Bayern nur noch selbst um den Erfolg bringen kann. Dem ist nach dem Remis in Nürnberg, und besonders nach der Art, wie es in der zweiten Hälfte zustande kam, nichts hinzuzufügen.

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