Kolumne : Auf dem gleichen Weg

Marcel Reif über Schalke und Dortmund - zwei Mannschaften in geografischer und tabellarischer Nachbarschaft, die nach oben wollen und müssen.

von
Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Eigentlich ist das Revierderby ja die Mutter aller Derbys, Schalke 04 gegen Borussia aus der Nähe von Lüdenscheid, wie die Gelsenkirchener angeblich stets sagen, weil sie das Wort Dortmund nicht in den Mund nehmen wollen. Aber steckt in der Partie wie der von Freitagabend wirklich noch so viel Lokalchauvinismus? Die beiden Trainer, Jürgen Klopp und Felix Magath, sind eher nicht die Typen, für die der Gegner eine andere Brisanz liefert als die eines Konkurrenten auf dem Weg nach oben. Bei den Fans spielt das noch eine Rolle, weil Folklore auch sinnstiftend sein kann und weil wir uns noch ein wenig Romantik erhalten möchten.

Sonst sind das zwei Mannschaften, die nach oben wollen und nach oben müssen und die nach Größe, Tradition, Anspruch, Umfeld und Popularität im Mittelmaß nichts verloren haben. Mit einem derzeitigen leichten Pluspunkt für die Schalker, wo sie berechtigt hoffen können, dass es diesmal richtig gut werden kann. Man staunt ja inzwischen Woche für Woche, wie Trainer Magath sich das Team baut, wie er es will, und das dann auch funktioniert. Magath, und das zeichnet einen guten Trainer aus, orientiert sich am Potenzial, das ist nicht spektakulär, aber wer will auf Schalke schon Spektakel? Dort wollen sie, und da schimmert sie noch durch, die alte Zeit, Arbeit sehen. Sie bekommen sie zu sehen.

Auch die Borussia aus (ich bin kein Schalker) Dortmund ist keine fertige Mannschaft, ist nicht rundweg so besetzt, wie sie sein sollte für eine Spitzenmannschaft mit internationalen Ambitionen. Aber sie haben wieder eine Idee davon, wie es aussehen könnte. Die Hybris vergangener Zeiten ist gewichen, wie auch die damals berechtigte Panik vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Und die Niederlage im Duell mit dem vermeintlich verhassten Nachbarn? Die ist so ärgerlich wie jede Niederlage. Danach wird sich der Mund abgeputzt und einfach weiter gemacht, als wäre nichts geschehen.

Schalke 04 und Borussia Dortmund, das sind nach diesem 135. Derby zwei Klubs in geografischer und tabellarischer Nachbarschaft, die auf dem gleichen Weg sind. Es ist ein guter Weg.

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