Kolumne: Auslaufen mit Lüdecke : Glühbirnen für Katar

Der Bundesliga fehlt weiter die Spannung. Dafür verfolgt unser Kolumnist gebannt, welche Theorien Franz Beckenbauer aufstellt.

Frank Lüdecke
Der Kaiser und die Birnen. Wenn Robert Schwan verreist war, konnte Beckenbauer schon mal 14 Tage im Dunkeln sitzen.
Der Kaiser und die Birnen. Wenn Robert Schwan verreist war, konnte Beckenbauer schon mal 14 Tage im Dunkeln sitzen.Foto: picture alliance / dpa

Also Wahnsinn! Was für eine Begeisterung! Beinahe hätte sich eine Sensation angebahnt. Stellen Sie sich das mal vor. In der Bundesliga! Eine richtige Sensation. Aber was für eine! Nach vier quälend langen Jahren wäre es unter bestimmten Voraussetzungen möglich gewesen, dass sich an der Tabellenspitze so etwas wie… ja, wie soll man sagen?… ääähhh… „Spannung“ hätte entwickeln können. So was in Richtung dezente Dramatik. Drei Tage übertrafen sich die Experten mit ihren Superlativen. Da geht noch was! Aber hallo! Jetzt geht’s loooh-hooos! Jetzt geht’s loooh-hooos!

Alte Meisterschaft, ohne Spannung, wie gehabt

Leider war diese Hoffnung mit zu vielen Konjunktiven verbunden. Wäre, hätte, könnte. War aber nicht. Borussia Dortmund konnte eben doch nicht gewinnen gegen den FC Bayern München. Und so riefen die Experten zwar begeistert: Toller Fußball! Ohne Tore! Aber unter dem Strich bleibt: alte Meisterschaft, ohne Spannung. Wie gehabt.

Ich merke an mir selbst, dass mich die Frage der Titelvergabe schon seit langem völlig kalt lässt. Ich nehme die Bayern-Ergebnisse zur Kenntnis, mehr nicht. Das liegt wohl daran, dass ein sportlicher Wettbewerb ohne Wettbewerb kein Wettbewerb ist. Es ist wie bei einem Krimi, wo man schon vorher Opfer, Täter, Motiv und Strafe kennt. Ist nicht so prickelnd.

100.000 Dokumente, kein Ergebnis

Trotzdem war der 25. Spieltag einer der interessantesten bisher. Viele Tore, tolle Spiele und sogar eine Trainerentlassung. Und dennoch: Den größeren Unterhaltungswert boten letzte Woche die himmlischen Sphären des organisierten Weltfußballs. Nach der Sichtung von über 100.000 Dokumenten kommt eine Rechtsanwaltskanzlei zum Ergebnis: Die WM 2006 ist nicht durch Bestechung nach Deutschland gelangt. Aber ausschließen könne man es auch nicht.

Tja. Mach was draus. Es gab ja mal das Gerücht, der DFB soll für die WM-Abstimmung knapp sieben Millionen Euro für vier asiatische Stimmen ausgegeben haben. Als ich das gelesen habe – ich war entsetzt. Ich hab’ wirklich gedacht, Mensch! Ist der Asiate teuer geworden…

Franz Beckenbauer kann sich auch nicht erklären, wieso von seinem Konto knapp sieben Millionen Euro nach Katar überwiesen wurden. Da müsste man seinen Manager fragen. Bringt nur nicht so viel, weil der bereits verstorben ist. Ich habe Verständnis für Beckenbauer. Man kann doch nicht erwarten, dass der Mann von jeder Million weiß, wofür sie nun im Einzelnen ausgegeben wurde.

14 Tage im Dunkeln

Beckenbauer erklärte uns nochmal, wie das kam. Sein Manager habe ihm alle Entscheidungen abgenommen: „Von wichtigen Verträgen bis hin zum Auswechseln der Glühbirne.“ Natürlich. Das war ja der Mist! Wenn Robert Schwan verreist war, da konnte Beckenbauer in Salzburg schon mal 14 Tage im Dunkeln sitzen. Das sind diese verdammten Abhängigkeiten. Wie gesagt, ich glaub’ dem Beckenbauer. Wenn er uns aber nächste Woche weismachen will, sie hätten gar kein Geld nach Katar geschickt, sondern sieben Millionen Glühbirnen… spätestens dann sollte auch mir ein Licht aufgehen.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

0 Kommentare

Neuester Kommentar