Kolumne : Fredi Bobic: Die Türken haben ja fast deutsch gespielt

Die Türken fighten 90 Minuten, sagt Fredi Bobic, das hat mich überrascht. Bobic schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Marcel Reif, Nadine Angerer, Lars Ricken und Mirko Slomka.

Bobic
Der Stürmer. Fredi Bobic schoss 108 Tore in 285 Bundesligaspielen und greift heute für Hertha BSC an - für die Senioren.Foto: ddp

Natürlich haben mich die Türken überrascht. Aus einem 0:2 gegen Tschechien innerhalb weniger Minuten ein 3:2 zu machen – das war schon respektabel. Die Türken haben ja noch gekämpft in einer Spielphase, als mancher von ihnen schon auf den Felgen lief. Aber das ist es eben, was die türkische Mannschaft bei dieser EM ausmacht: Mannschaftsgeist, Kampfkraft und Leidenschaft. Das sind Tugenden, die sie in der Vergangenheit nicht immer ausgezeichnet haben. Aber nun fighten die Türken 90 Minuten lang, auch wenn sie scheinbar aussichtslos zurückliegen, gegen eine Mannschaft wie die Tschechen, die ihnen vom Fußballerischen her überlegen war. Die Türken haben ja fast mit den typischen deutschen Tugenden gespielt.

Jetzt also kommt es im Viertelfinale zum Duell der Emotionen: Türkei gegen Kroatien. Ich erwarte ein spannendes Spiel, weil ich die Chancen als fast ausgeglichen sehe. Ein wenig im Vorteil sollten die Kroaten allerdings sein, da sie spielerisch reifer sind als die Türken und strukturierter auftreten – wie zum Beispiel beim 2:1 gegen unsere deutsche Mannschaft. Bisher haben die Kroaten kühl und sachlich agiert, wenn sie sich aber von ihrer reizbaren Seite zeigen und sich von den Türken anstecken lassen, dann kann es spannend werden. Natürlich bin ich vor diesem Spiel ein wenig parteiisch, meine Mutter stammt ja aus Kroatien. Aber abgesehen davon: Erreichen die Kroaten das Halbfinale, ist das für mich keine Überraschung. Wenn die Türken so weit kommen, würde ich mich schon wundern. Spätestens dann wäre die Türkei für mich nicht mehr nur ein Geheimfavorit auf den Titel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben